Info

Dokument Karl Zell an Leo Thun
Heidelberg, 31. Dezember 1849
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D21
Regest

Karl Zell übersendet Leo Thun einen Auszug aus dem Konversationslexikon Brockhaus. Der Auszug enthält die Biografie Karl Zells. Dieser Auszug soll Zells Erfahrung im Unterricht bezeugen.
Als Beilage ein Auszug aus dem Konversationslexikon Brockhaus, 15. Band, 9. Auflage, S. 526-527, mit den biografischen Daten von Karl Zell.

Beilagen, Anmerkungen

Beilage: biografische Daten über Karl Zell aus dem Konversationslexikon Brockhaus, 15. Band, 9. Auflage, S. 526-527.

Schlagwörter
Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
License eXist-db

Transkription

    [...]1lediglich zu meiner äußern Beglaubigung, daß ich nicht ohne vielfache Erfahrung auf diesem Gebiete des Unterrichtes bin, erlaube ich mir schließlich zu bemerken, daß in dem Brokhaus’schen Conversations-Lexikon (9. Ausgabe) unter meinem Namen nähere Notizen über meine Person enthalten sind.
    Mit huldiger Verehrung beharrend

    Euer Exzellenz

    gehorsamster Diener

    Dr. Karl Zell
    ord. öff. Professor der hiesigen Universität, großh. badischer Geheimer Hofrath, der Zeit Abgeordneter zur II. Kammer der badischen Ständeversammlung.

    Heidelberg, 31. December 1849

    Brockhaus Konversationslexicon, 9. Auflage, 15. Band, S. 526-527.

    Zell Karl

    Ein um das höhere Schulwesen in Baden hochverdienter Humanist, geb. am 8. April 1793 zu Mannheim, erhielt in den Lehranstalten seiner Vaterstadt eine tüchtige Vorbildung und bezog 1810 die Universität zu Heidelberg, wo er sich besonders unter Kreuzers Leitung dem Studium der Philologie widmete. Nachdem er hierauf seit 1813 dasselbe zu Göttingen und Breslau mit Eifer fortgesetzt hatte, erhielt er 1814 bei seiner Rükkehr eine Professur an dem Lizeum zu Rastadt [Rastatt], zu dessen Glanz er durch sein ausgezeichnetes Lehrtalent nicht wenig mit beitrug. Während dieser Zeit erwarb er sich auch durch schriftstellerische Thätigkeit einen guten Namen, und es wurde ihm daher 1821 die Stelle eines ordentlichen Professors an der Universität zu Freiburg übertragen, wo er namentlich durch Gründung eines philologischen Seminars, das 1830 nach Überwindung mancher Schwierigkeiten ins Leben trat, viel für Erweckung und Förderung der Alterthumswissenschaften wirkte. Selbst auf dem stürmischen Landtage von 1821 wußte er, durchdrungen von dem Gefühle für das Rechte und Gute, die höheren geistigen Intressen seines Volkes wiederholt zur Sprache zu bringen, und trat hier überhaupt oft vermittelnd und verführend auf. Als Mitglied der im Jahre 1834 zu Karlsruhe versammelten außerordentlichen Kommission zur Prüfung eines neuen Lehrplanes für die Gelehrtenschule, führte er durch seine hervorstechenden Kenntnisse und reichen Erfahrungen die Verhandlungen zu einem günstigen Resultate und wurde im Jahre darauf zum Ministerrathe und Mitgliede des Oberstudienrathes zu Karlsruhe befördert. Im Jahre 1847 gab er indes diese Stellung auf, und wurde nun zum geheimen Hofrath und zum ordentlichen Professor der Archäologie ernannt. Unter seinen Schriften werden erwähnt außer den Untersuchungen „De vera Theophrastcorum characterum indole et genuina forma“ 1823, die von ihm unter dem Titel „Auctores classici lat.“ veranstaltete Sammlung der lateinischen Klassiker in einem korrekten Texte, und mit kurzen kritischen Bemerkungen (17 Bände 1827), von denen er selbst die Schrift des Cicero „De republica“ 1827, das Publius Syrus, Cato 1829 die Gedichte des Horatius 1827, des Phädrus 1828 und den Eutropius 1829 besorgte, ferner die Bearbeitung der Ethica Nicomachea des Aristoteles 1833 und die deutsche Übersetzung von Aristoteles „Organon“ 1836. Die erste Stelle aber behaupten seine „Ferienschriften“ 1826 bis 1833 – eine Reihe trefflicher Abhandlungen, die mit klarer und lebendiger Anschauung das antike Leben in seinen verschiedensten Beziehungen vorführen und von Goethe eine klassische Bereicherung der neueren Litteratur genannt wurden. Dahin gehört auch seine neueste Schrift über die Iliade und das Niebelungenlied 1843.