Gymnasien Böhmen Altstädter Gymnasium Sprachenfrage

Euere Excellenz!

In der Relation des Herrn Sectionsrathes Kleemann wird sich wohl das bestätigt finden, was ich vom Altstädter Gymnasium wiederholt berichtete. Eine Änderung in der Einrichtung desselben findet er nothwendig, auch hat er einiges Ungünstige über manche Lehrer fallen lassen, da er sich anderweitig über sie erkundigte. Ich bitte in letzerer Beziehung mit Schonung vorzugehen, wenn nicht etwas Wichtiges vielleicht in politischer Hinsicht, was mir nicht betraut ist, gegen sie vorliegt. Sie handelten, was die Unterrichtssprache anbelangt, nach den bestehenden Vorschriften und im Sinne der Einrichtung der Lehranstalt. Wird eine andere getroffen, so werden sie sich gewiß willig fügen.
Ferner bitte ich zur Vermeidung des Aufsehens die Änderung mit Beginn des nächsten Schuljahres eintreten zu lassen; doch wollen Eure Excellenz die neuen Verfügungen bezüglich der Unterrichtssprache früher bekannt geben, damit die Lectionspläne schon darnach verfaßt und geregelt werden könnten. Werden über einen oder den andern Punct Auskünfte und Erfahrungen gewünscht, so wollen Eure Excellenz die meinigen nicht verschmähen, da ich die Verhältnisse kenne und es – Gott sieht mein Herz – mit der guten Sache redlich meine.
Eine dritte Bitte geht dahin, Eure Excellenz wollen gegenwärtig dem Kronlande keine Lehrkräfte entziehen, weil wir sonst in die peinlichste Verlegenheit kämen, denn an die Stelle Klumpars gab ich den letzten verfügbaren Philologen, der überdies noch keine Prüfung abgelegt hat.
Indem ich den innigsten Dank dafür ausspreche, daß zur nähern Erhebung des Thatbestandes und zur Revision einiger Lehranstalten ein Ministerialcommissär abgesandt worden, habe ich die Ehre mit den lautersten Gefühlen unbegrenzter Verehrung und Dankbarkeit zu verharren

Euerer Excellenz

unterthänigster
Gregor Zeithammer

Königgrätz, 17. April 1853