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Dokument Gregor Zeithammer an Leo Thun
Königgrätz, 17. April 1853
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D201
Regest

Gregor Zeithammer, Gymnasialinspektor für Böhmen, weist Leo Thun auf den Bericht von Johann Kleemann über das Altstädter Gymnasium in Prag hin, in welchem sein eigenes Urteil über das Gymnasium im Großen und Ganzen bestätigt werde. Zeithammer betont, dass Kleemann teilweise sogar noch schlechtere Urteile über die Lehrer gefällt habe als er selbst. Zeithammer weist aber dennoch auf den guten Willen der meisten Lehrer hin. Zeithammer empfiehlt die Reorganisation des Gymnasiums, er bittet aber – um unnötiges Aufsehen zu vermeiden – bis zum Ende des Schuljahres damit zu warten. Zeithammer beantragt überdies, dass man ab sofort keine Lehrer aus Böhmen mehr in andere Kronländer versetzen möge, weil schon jetzt ein Mangel an guten Lehrern in Böhmen herrsche.

Beilagen, Anmerkungen

Verweis auf A3 XXI D212.

Schlagwörter
Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
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Transkription

    Euere Excellenz!

    In der Relation des Herrn Sectionsrathes Kleemann wird sich wohl das bestätigt finden, was ich vom Altstädter Gymnasium wiederholt berichtete. Eine Änderung in der Einrichtung desselben findet er nothwendig, auch hat er einiges Ungünstige über manche Lehrer fallen lassen, da er sich anderweitig über sie erkundigte. Ich bitte in letzerer Beziehung mit Schonung vorzugehen, wenn nicht etwas Wichtiges vielleicht in politischer Hinsicht, was mir nicht betraut ist, gegen sie vorliegt. Sie handelten, was die Unterrichtssprache anbelangt, nach den bestehenden Vorschriften und im Sinne der Einrichtung der Lehranstalt. Wird eine andere getroffen, so werden sie sich gewiß willig fügen.
    Ferner bitte ich zur Vermeidung des Aufsehens die Änderung mit Beginn des nächsten Schuljahres eintreten zu lassen; doch wollen Eure Excellenz die neuen Verfügungen bezüglich der Unterrichtssprache früher bekannt geben, damit die Lectionspläne schon darnach verfaßt und geregelt werden könnten. Werden über einen oder den andern Punct Auskünfte und Erfahrungen gewünscht, so wollen Eure Excellenz die meinigen nicht verschmähen, da ich die Verhältnisse kenne und es – Gott sieht mein Herz – mit der guten Sache redlich meine.
    Eine dritte Bitte geht dahin, Eure Excellenz wollen gegenwärtig dem Kronlande keine Lehrkräfte entziehen, weil wir sonst in die peinlichste Verlegenheit kämen, denn an die Stelle Klumpars gab ich den letzten verfügbaren Philologen, der überdies noch keine Prüfung abgelegt hat.
    Indem ich den innigsten Dank dafür ausspreche, daß zur nähern Erhebung des Thatbestandes und zur Revision einiger Lehranstalten ein Ministerialcommissär abgesandt worden, habe ich die Ehre mit den lautersten Gefühlen unbegrenzter Verehrung und Dankbarkeit zu verharren

    Euerer Excellenz

    unterthänigster
    Gregor Zeithammer

    Königgrätz, 17. April 1853