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Dokument Johann Witek an Kaiserin Elisabeth
Telezí, 5. Juni 1854
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D320
Regest

Johann Witek, Unterlehrer in Telezí, bittet Kaiserin Elisabeth um eine finanzielle Unterstützung. Sein Gehalt als Unterlehrer reiche nämlich nicht aus, um seine Familie mit Frau und zwei kleinen Kindern zu ernähren. Er verspricht, für die Kaiserin zu beten.

Beilagen, Anmerkungen

Das Schreiben befindet sich im Nachlass gemeinsam mit zehn weiteren Majestätsgesuchen unter der Signatur A3 XXI D320.

Beilage: Ein Zeugnis ausgestellt von Johann Burwal, Pfarrer von Slaupnitz.

Schlagwörter
Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
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Transkription

    Ihre k.k. Majestät!
    Durchlauchtigste allergnädigste Kaiserin!

    Mit thränenvollen Augen wagt ehrfurchtsvoll Gefertigter Ihrer k.k. Majestät eine demüthige Bitte zu Füßen zu legen.
    Ehrfurchtsvoll Gefertigter ist Familienvater, wegen jetzt herrschender Theuerung befindet er sich in solcher Noth, daß er den Kleinen für seinen Lohn, 11 ½ Kreuzer täglich, nicht ein Mittagessen verschaffen kann! Sein jährlicher Gehalt als Unterlehrer ist 70 fl CM, von welchen er sich selbst, sein Weib, 2 noch kleine Kinder zu ernähren usw., nebst Quartierzins und Holz. Im Jahre 1849 hatte ehrfurchtsvoll Gefertigter alles ersparte Geld angewendet, um Christo und seiner heiligen Lehre treu bleiben zu können, wie das beigelegte Zeugnis beweiset. lit. F. 1
    In seiner äußerst bedrängten Lage nehmet ehrfurchtsvoll Gefertigter auch die Zuflucht zu der bekannten Tugend der Wohltätigkeit Ihrer k.k. Majestät! und wagt mit thränenvollen Augen um eine Unterstützung fußfällig anzuflehen, indem er das heilige Versprechen macht, in seinem Familienkreise mit der ihm anvertrauten Schuljugend für Gottes Schutz und Schirm zum Allmächtigen zu flehen – und des Himmels reicher Lohn wird es schon hier im Irdischen – Ihrer k.k. Majestät reichlich belohnen.
    Seine demüthige Bitte fußfällig wiederholend, zeichnet sich in tiefster Ehrfurcht als

    Ihrer k.k. Majestät

    unterthänigster Diener
    Johann Witek
    Unterlehrer in Telezí
    per Post Policka in Böhmen

    Telezí, am 5. Juny 1854

    Von Seiten des gefertigten Pfarramtes wird dem Herrn Johann Witek das wohlverdiente Zeugnis ertheilt, daß er in den zwei Schuljahren 1847/48 und 1848/49 als exponierter Unterlehrer in Oberslaupnitzer Filialschule in Ertheilung des Schulunterrichtes ohngeachtet seiner wahrhaft drückenden Lage und der Stürme, die ihn fast gehaltlos zu machen drohten, unermüdet gewesen, sich seinen erhabenen Berufe stets angemessen betragen habe, gegen seine Ortsseelsorger stets höflich war, mit allen, mit denen er zu folge seines Berufes zu thun hatte, stets in Friede und Eintracht lebte und sich die Liebe sowohl der katholischen als auch (evang.) helvetischen Schulkinder, wie nicht minder die Zufriedenheit der Schulvorsteher und Eltern in vollem Maße erworben habe. Was aber an diesem jungen Manne besonders gerühmt zu werden verdient, ist, daß er, obwohl er selbst mit der bittersten Armuth zu kämpfen hat, die einstweilige Filialschule, zum unsäglichen Schaden für die katholischen Kinder, aufhöre, er somit samt Weib und Kind brodlos ist, er demnach den von den in Slaupnitz [Slupec] die Überhand habenden, reichen (ev.) helvetischen Insassen gestellten Antrag, durch Abfall von hl. römischkatholischen Glauben gegen die namhafte Remuneration von 100 fl und Verheißung einer splendiden Dotation, die Stelle eines Lehrers ihrer neuerbauten Schule zu übernehmen, standhaft zurückwies und lieber mit den Seinigen die bitterste Armuth zu ertragen beschloß, als Jesum um einen Bettelpfennig schmählich zu verrathen. Dieser talentvolle junge Mann verdient wahrlich ein günstigeres Los, als welches er seiner Standhaftigkeit wegen vor sich hat, und ist jeder Unterstützung und der besten Empfehlung würdig.
    Urkund dessen ist nachstehende Fertigung und Beidrückung des Kirchensigels.

    Sign. Pfarre Slaupnitz, am 20. Juli 1849

    Johann Burwal mp
    Pfarrer

    Coram me

    Franz Paul
    Schuldistriktvorsteher