Personalfragen Personalvermittlung Gymnasien

Hochgebohrener [sic!] Graf

Aus den Zeitungen ersehe ich, daß dermalen wieder Philologen für die österreichischen Gymnasien und Lyzeen gesucht werden. Ich bin in dem Falle einen ganz tüchtigen in der Person des Herrn J. H. Schlegel, dermalen Professor in Offenburg empfehlen zu können. Ich zweifle nicht, daß er hinsichtlich seiner gründlichen Befähigung, zumal was die lateinische und griechische Litteratur betrifft, vollkommen befriedigen würde. Er hat diesfalls die besten Zeugnisse aufzuweisen, auch bereits mehrere lateinische Arbeiten durch den Druck veröffentlicht, welche allgemeinen Beifall gefunden haben. Seine moralischen und religiösen Grundsätze dürften ebenfalls nichts zu wünschen übrig lassen, so wie die Anständigkeit seines Betragens. Er hat noch nicht das dreyßigste Jahr erreicht. Zur Zeit hat er eine Anstellung von 900 Gulden deutscher Währung. Ich glaube er würde sehr gerne eine Anstellung mit nur einigermaßen höherer Besoldung allenfalls in Presburg oder Pesth oder sonst einer bedeutenden Stadt in Nieder oder Ober Oesterreich annehmen.
Ich beschränke mich denselben für einen vorkommenden Fall Euer Exzellenz Wohlwollen und mögliche Berücksichtigung zu empfehlen und benütze zugleich diesen Anlaß mich Ihrem freundlichen Andenken zurückzurufen.
Mit großem Vergnügen vernehme ich, daß Ihr Herr Bruder Franz sich wieder auf der Besserung befinde. Seine Erkrankung hatte meine lebhafteste Theilnahme erregt.
Mit der ausgezeichnetesten Hochachtung

Euer Exzellenz gehorsamst ergebenster
J. Fhr. Wessenberg

Freiburg, den 2. April 1855