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Dokument Johann Philipp Wessenberg an Leo Thun
Freiburg im Breisgau, 2. April 1855
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D337
Regest

Der Diplomat in Ruhestand Johann Philipp Wessenberg weist Leo Thun auf einen möglichen Kandidaten für eine Lehrerstelle an einem österreichischen Gymnasium hin. Er hat aus Zeitungen erfahren, dass für österreichische Gymnasien Philologen gesucht werden. Er möchte daher den Minister auf den tüchtigen und talentierten Lehrer Johann Schlegel hinweisen, der derzeit in Offenburg tätig ist. Schlegel hat bereits einige Arbeiten veröffentlicht und sein Leumund ist gut. Er wäre bereit, an ein Gymnasium in Pressburg oder Pest zu wechseln, wenn man ihm dort ein etwas höheres Gehalt biete würde, als er derzeit bezieht. Zuletzt spricht Wessenberg seine Freude darüber aus, dass sich Leo Thuns Bruder Franz wieder auf dem Weg der Besserung von seiner Krankheit befindet.

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Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
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Transkription

    Hochgebohrener [sic!] Graf

    Aus den Zeitungen ersehe ich, daß dermalen wieder Philologen für die österreichischen Gymnasien und Lyzeen gesucht werden. Ich bin in dem Falle einen ganz tüchtigen in der Person des Herrn J. H. Schlegel, dermalen Professor in Offenburg empfehlen zu können. Ich zweifle nicht, daß er hinsichtlich seiner gründlichen Befähigung, zumal was die lateinische und griechische Litteratur betrifft, vollkommen befriedigen würde. Er hat diesfalls die besten Zeugnisse aufzuweisen, auch bereits mehrere lateinische Arbeiten durch den Druck veröffentlicht, welche allgemeinen Beifall gefunden haben. Seine moralischen und religiösen Grundsätze dürften ebenfalls nichts zu wünschen übrig lassen, so wie die Anständigkeit seines Betragens. Er hat noch nicht das dreyßigste Jahr erreicht. Zur Zeit hat er eine Anstellung von 900 Gulden deutscher Währung. Ich glaube er würde sehr gerne eine Anstellung mit nur einigermaßen höherer Besoldung allenfalls in Presburg oder Pesth oder sonst einer bedeutenden Stadt in Nieder oder Ober Oesterreich annehmen.
    Ich beschränke mich denselben für einen vorkommenden Fall Euer Exzellenz Wohlwollen und mögliche Berücksichtigung zu empfehlen und benütze zugleich diesen Anlaß mich Ihrem freundlichen Andenken zurückzurufen.
    Mit großem Vergnügen vernehme ich, daß Ihr Herr Bruder Franz sich wieder auf der Besserung befinde. Seine Erkrankung hatte meine lebhafteste Theilnahme erregt.
    Mit der ausgezeichnetesten Hochachtung

    Euer Exzellenz gehorsamst ergebenster
    J. Fhr. Wessenberg

    Freiburg, den 2. April 1855