Josef Wenzig an Leo Thun
Prag, 5. Juli 1857
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Böhmen Ministerium für Kultus und Unterricht

Euere Excellenz!

Da gegenwärtig in der k. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften die Reihe an mich kam, derselben für ein Jahr als Director vorzustehen: so wage ich es, Euerer Excellenz mit zwei Bitten zu nahen, welche die erwähnte Gesellschaft betreffen, gegen die ich mich unter solchen Verhältnissen um so mehr verpflichtet fühle:
Fürs Erste nehme ich mir die Freiheit, Euere Excellenz auf das Majestätsgesuch der Gesellschaft vom 23. März letzten Jahres Z. 84 um eine jährliche Subvention aufmerksam zu machen und ehrfurchtsvoll zu bitten, Euere Excellenz möchten diesem Gesuche bei der Triftigkeit der darin angeführten Gründe Hochdero einflußreiche Verwendung huldvoll angedeihen lassen.
Fürs Zweite bin ich bei dem Umstande, daß ich von der Gesellschaft den ehrenvollen Auftrag erhalten, den Nekrolog meines Schwagers, des Ministerialrathes Exner, zu verfassen, so kühn, Euere Excellenz zu ersuchen, gnädigst zu gestatten, daß mir die wichtigeren Arbeiten Exners im Schulwesen, besonders sein ursprünglicher Plan zur Reorganisirung der philosophischen Studien, aus den Acten des Hohen Unterrichtsministeriums ausgefolgt und zugeschickt werden, weshalb ich mich auch schon an den Herrn Sectionsrath Mozart gewendet. Auf gewissenhafte Benützung von meiner Seite geruhen Euere Excellenz in vollem Maße zu rechnen.
Mich dem gütigen Andenken empfehlend mit aufrichtiger Hochachtung und inniger Verehrung

Euerer Excellenz gehorsamer
Joseph Wenzig
k.k. Schulrath und Director der k.k. böhm. Oberrealschule

Prag, am 5. Juli 1857