Franz Thun an Leo Thun
o. O., 25. Juli 1853
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Lombardo-Venetien Akademie der bildenden Künste Mailand Venedig Architektur Familie Thun-Hohenstein

Lieber Leo,

In meinem letzten Briefe habe ich vergessen dir zu sagen, daß ich die Erledigung über den von der Mailänder Academie vorgeschlagenen Bau eines neuen Ateliers für die Malerschule und Prof. Hayez noch dort gelassen habe. Derselbe hat den Bau und den von der Academie vorgeschlagenen [?] abgeschlagen und sie beauftragt, sollten[?] wieder den von der Baubehörde in Verona beantragten, Bedenken obwalten, diese anzuzeigen.
Ich habe mich nun überzeugt, daß dieser letztere Vorschlag ohne alle Localkenntnis gemacht wurde, unausführbar und wenn ausgeführt zu dem beabsichtigten Zwecke unbrauchbar wäre, daß aber so die gegen das Academieproject aufgeführte Einwendung, "daß dadurch der Hof verdorben würde", aus der Luft gegriffen ist.
Die Baubehörde gibt den Umbau eines Theiles [?] der Academie zugewiesenen Räumen. In diesen befanden sich aber die Anatomieschule und die Bibliothek – für beide Bedürfnisse wäre kein anderer Raum vorhanden. Der nun zu gewinnende wäre aber für die Malerschule gar nicht zu brauchen, denn er hätte Reflexlicht von der sehr hohen Wand auf der anderen Seite des sehr schmalen Hofes, in den die Fenster gehen. Überdies aber wurde dieser Umbau [?] projektirter Einbau in einen anderen sehr großen, in künstlerischer Beziehung aber ganz bedeutungslosen (von Ziegelmauern mit Luftlöchern umgeben) Hof, den die Academie projektirt und der allen Bedürfnissen entspräche, da man bei diesem die Rückwand bereits hat, es sich also nur um eine Bauseite wird und den 2 kurzen Seiten [?] handelt [sic!]. Ich habe Nava also aufgefordert, bei Nachweisung der Unthunlichkeit der Ausführung des Baudirectionprojekts, auch die Einwendungen gegen sein Projekt zu entkräften und auf die Bitte um Ausführung desselben zurückzukommen.
Ich arbeite auch jetzt redlich und komme noch gar nicht zum sehen und genießen! Mir ist die Verlängerung hier ganz recht, um noch mit dem ausgezeichneten Selvatico alles durchzusprechen und womöglich mit meinen Vorschlägen ins Reine zu kommen. Eine schwere Sache, wo man doch Prinzipien festhalten will und zugleich die Sache Individuen anpassen soll und mit so verschiedenen Localverhältnissen zu thun hat. Glaube nur alter Kerl, am guten Wille fehlt es nicht, wenns auch am Ende wieder heißt, "kommt Maus raus".
Beifolgender Zettel [?]
Herzlich freuts mich durch Caroline zu hören, daß du wohl bist!

Dein treuer
Franz

1853 25.7.

Eine wahre [?] hier sind mir die Neubauten!
[?] [?], wie mir scheint [?] [?] der Statthalter er will eine neue Brücke am Anfang des großen Canals – eine eiserne geradlinige Brücke – nicht in Bogen wie die Rialto, ohne daß irgend eine Nothwendigkeit dazu ist und während ganz Venedig dagegen ist; während der jetzige Unterfahr[?] vollkommen genügt, eine leicht zu öffnende Pontonbrücke, jedenfalls [?] genügen würde, die feste dagegen den Schiffsverkehr stören, den Übergang, den man auch zahlen muß, um nichts erleichtern, für die Armen, die unendgeltlich übergefahren werden, sogar erschweren, – die Regatta aber wahrscheinlich unmöglich mache und die gotische Ansicht des Canals zerstört wird! Auch der Erzherzog soll entschieden dagegen sein, – und doch geschah's[?]!
Und ebenso elend soll der Plan zum neuen Bahnhofe sein!