Personalfragen Rechtswissenschaften

Hochgeborner Graf!

Bei der erkannten Nothwendigkeit unsere Universitäten durch einige gediegene deutsche Gelehrte, namentlich auch im Gebiethe der Rechtsgeschichte zu kräftigen, habe ich bereits Anlaß gehabt, auch mit Hofrath Warnkönig indirekt in Verbindung zu treten, und ich habe mit großer Freude erfahren, daß er selbst zu gewinnen sein dürfte. Das gütige Schreiben Euerer Excellenz bestärkt mich auf das Angenehmste in dieser Voraussetzung. Entscheidende Schritte habe ich bisher nur aus dem Grunde noch nicht eingeleitet, weil es mir noch nicht verbürgt schien, daß er bei seinem bereits vorgerückten Alter noch für eine längere Zeit jenen anregenden Vortrag hoffen lasse, der mir unter den gegenwärtigen Verhältnissen besonders wünschenswerth scheint, um durch die Berufung fremder Gelehrter auf die Entwicklung unserer Universitätsstudien heilbar zu wirken. Auskünfte, welche ich hierüber einzuholen bemüht war, müssen mir in den nächsten Tagen zukommen, und ich glaube schon die Empfehlung Euerer Excellenz als den Zweifel lösend, ansehen zu dürfen, wenn auch darin von dem erwähnten Umstande keine ausdrückliche Erwähnung geschieht.
Indem ich Euerer Excellenz für die gütige Mitteilung so wie für die dabei an mich gerichteten freundlichen Worte einen verbindlichsten Dank abstatte, habe ich die Ehre mit der Versicherung der ausgezeichnetsten Hochachtung zu verharren.

Euerer Excellenz
Ergebener Diener
Graf Leo Thun

Wien den 31. Oktober 1849