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Dokument Leo Thun an Joseph Othmar Rauscher
Wien, 17. Mai 1858
Signatur Diözesanarchiv Wien
Präsidialia, Fasz. H5, Theologische Studien, Professur der Theologie 1848–1886
Regest

Leo Thun bittet Kardinal Joseph Othmar Rauscher um eine Stellungnahme zur Besetzung der Lehrkanzel für Kirchengeschichte an der Universität Wien. Die Lehrkanzel ist durch die Berufung von Joseph Fessler auf die Lehrkanzel des Kirchenrechts derzeit nicht besetzt. Thun hat derzeit einen Kandidaten im Auge, nämlich Joseph Floß. Dieser lehrt an der Universität Bonn und erfreut sich eines hervorragenden Rufs. Leo Thun möchte vor der Ernennung eines Kandidaten jedoch die Zustimmung von Kardinal Rauscher einholen.

Beilagen, Anmerkungen

Der Brief ist kein Autograph von Leo Thun.

Schlagwörter
Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
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Transkription

    623/CUM

    Hochwürdigster Cardinal und Fürsterzbischof!

    Durch die Bestellung des k.k. Hofkaplans und Studiendirektors im höheren Priesterbildungs-Institute zum hl. Augustin, Dr. Josef Feßler zum ordentlichen Professor des Kirchenrechtes an der hierortigen theologischen Fakultät, ist bei dieser Fakultät die Lehrkanzel der Kirchengeschichte in Erledigung gekommen. Behufs der Wiederbesetzung dieser Lehrkanzel, welche für den Unterricht der Priesterstands-Kandidaten in dem erwähnten Lehrzweige bestimmt ist, muß ich mich im Sinne der mit Allerhöchster Entschließung vom 8. März 1858 genehmigten Verordnung vom 29. März 1858 vor Allem darüber in’s Klare setzen, ob Eure Eminenz die Berufung eines Mannes wünschen, welcher seine Befähigung bereits durch Leistungen im Lehrfache oder als Schriftsteller hinreichend bewährt hat. Ohne der erleuchteten diesfälligen Wahl Eurer Eminenz vorgreifen zu wollen, kann ich doch nicht unbemerkt lassen, daß meine Aufmerksamkeit auf den an der Universität zu Bonn in Verwendung stehenden Professor der Kirchengeschichte, Dr. Floß gelenkt worden ist, welcher durch mehrere von ihm veröffentlichte Druckschriften in der literarischen Welt eines vortheilhaften Rufes sich erfreut und mir als ein Mann empfohlen wird, der ein reichliches Maß kirchengeschichtlicher Kenntnisse besitzt und zugleich sich eignen dürfte, das Fach der Kirchengeschichte mit Erfolg von jenem Standpunkte zu behandeln, welcher diesem Gegenstand durch den von der bischöflichen Versammlung des Jahres 1856 festgestellten Lehrplan angewiesen erscheint. Sollten Eure Eminenz sich für die Besetzung der hierortigen Lehrkanzel der Kirchengeschichte im Wege der Berufung entscheiden, und zu diesem Ende den genannten Bonn’er Universitätsprofessor berücksichtigt wünschen, so wolle es gefällig sein, mir hierüber nach Anhörung des theologischen Lehrkörpers die Mittheilung zu machen und mich dadurch in die Lage zu setzen, das diesfalls weiter Erforderliche einzuleiten.
    Ich habe die Ehre mit ausgezeichnetster Hochachtung zu verharren

    Eurer Eminenz
    ergebenster Diener
    Thun

    Wien am 17. Mai 1858