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Dokument Leo Thun an Bernhard Jülg
Wien, 4. März 1855
Signatur Österreichische Nationalbibliothek
Handschriftenabteilung
Autogr. 346/38-5
Regest

Leo Thun bittet den Philologen Bernhard Jülg um Unterstützung bei der Anwerbung von Gymnasiallehrern. Thun schildert zunächst die unangenehme Situation, mehrere Stellen an unterschiedlichen Gymnasien nicht besetzen zu können, weil ihm die geeigneten Lehrer dazu fehlten. Insbesondere für Landgymnasien sei es schwierig, Personal zu finden. Daher erkundigt sich Thun bei Jülg, ob dieser in seiner Heimat Baden Lehrer kenne, die interessiert wären, eine Stelle in Österreich anzunehmen. Die Personen sollten katholisch und von vertrauenswürdiger Gesinnung sein sowie die Befähigung zum Lehramt bewiesen haben.

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Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
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Transkription

    Wien, den 4. März 1855

    Werther Herr Professor!

    Die fortschreitende Entwicklung der Gymnasialeinrichtungen, namentlich auch in Theilen des Reiches die bisher in dieser Beziehung außerordentlich vernachläßigt waren, macht einen Mangel an befähigten Gymnasiallehrern für das philologische Fach sehr fühlbar. Ich bin bereits in der peinlichen Lage in Ofen und Preßburg und an anderen Orten die systemisierten Stellen nicht besetzen zu können, weil es an Bewerbern fehlt. Die Thätigkeit die von Ihnen und anderen neu angestellten Professoren an den Universitäten geübt wird, läßt hoffen, daß dieser Übelstand allmählich schwinden wird, allein Sie wissen am besten, daß die Zahl der Schüler, die ihre Bildung in der nächsten Zeit vollenden werden, noch weit hinter dem Bedarf zurücksteht. Glauben Sie, daß ich [in] Ihrer Heimath tüchtige junge Leute finden könnte, die geneigt wären, eine Anstellung mit 800 fl. – nach Umständen was ich aber eben nicht jedem versprechen kann, auch 900 fl. – anzunehmen, auch an den genannten oder anderen entlegenen Orten, oder an Landgymnasien? Es versteht sich, daß es Katholiken sein müßten, Männer für deren Charakter und Gesinnung vertrauenswürdige Bürgen einstünden, und die entweder schon in ihrem Land die Lehramtsbefähigung für Philologie bestanden hätten, oder wenigstens sich über gründliche Studien ausweisen könnten und geneigt wären, sich sogleich der Lehramtsprüfung vor der Kommission in Prag oder Wien zu unterziehen. Halten Sie es für ausführbar solche Leute zu finden, so bitte ich Sie sogleich die geeigneten Schritte einzuleiten und mir davon Nachricht zu geben.

    Mit aufrichtiger Hochachtung

    Thun