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Dokument Leo Thun an Joseph Alexander Helfert
Interlaken, 22. August 1857
Signatur Mährisches Landesarchiv [Moravský zemský archiv v Brně]
G 44, Nachlass Helfert
Karton 26, Thun Lev
Regest

Leo Thun teilt Joseph Alexander Helfert mit, dass ihn Präsidialsekretär Adolf Altmann über die stockenden Verhandlungen zum Ankauf des Kunewalderschen Hauses für das Veterinärmedizinische Institut in Pest informiert habe. Thun äußert sein Unverständnis und seinen Ärger darüber, dass das Finanzministerium plötzlich den Kauf wieder in Frage stelle, und vermutet dahinter sogar eine persönliche Animosität eines Beamten im Finanzministerium. Da Thun sich mit Kunewalder über den Kauf bereits geeinigt habe, möchte er nicht neuerlich eine Kommission zur Beratung dieses Kaufes einsetzen. Allerdings soll Ignaz Nadherny zunächst die Angelegenheit neuerlich prüfen und dieser soll anschließend darüber entscheiden, ob es einen berechtigten Grund gebe, vom Kauf des besagten Hauses abzurücken. Gibt es keinen Grund, solle man beim Finanzminister nachdrücklich darauf drängen, den Kauf abzuschließen. Für den Fall, dass neuerlich eine Kommission zur Prüfung der Angelegenheit eingerichtet werden müsse, nennt Thun einige Personen, die dieser angehören sollten. Abschließend berichtet Thun von seiner Reise in den Schweizer Alpen und der geplanten Route für die verbleibende Zeit.

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Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
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Transkription

    Interlachen, den 22. August 1857

    Lieber Helfert!

    Ich habe hier in einem Brief Altmanns Nachricht über den Stand der Angelegenheit wegen Ankauf eines Hauses für das Thierarzneiinstitut in Pesth erhalten. Es ist mir sehr unangenehm den Ankauf des Kunewalderschen Hauses wieder in Frage gestellt zu sehen, weil ich auf Grundlage der allerhöchsten Ermächtigung den Kunewalder bereits – wenn auch nur mündlich – erklärt habe, daß der Handel als abgeschlossen zu betrachten sei. Macht Kunewalder diesen Umstand etwa geltend, so bleibt auch nichts übrig, als dem Finanzminister zu sagen, daß ich ihn bitten müßte, sich auf das zu beschränken, um was ich in meiner letzten Note ersucht habe. Es ist eigentlich wieder eine Impertinenz des Finanzministeriums und wahrscheinlich unseres Freundes Frenzl bei diesem Stande der Sache erst wieder die Zweckmäßigkeit meines Entschlußes überprüfen zu lassen, und vielleicht ist das ganze nur ein Manoeuvre um die Zahlung wieder um ein Jahr hinauszuschieben. Ich glaube auch nicht, daß aus dem neuen kommissionieren[?] etwas wesentliches heraus kommen wird. Das Resultat wird immer sein, daß der Ankauf des Kunewalderschen Hauses zwar theurer zu stehen kommt, aber bedeutende Vortheile gewährt. Auf eine neue Kommission möchte ich also nur in dem Falle eingehen, wenn die Bemerkung des Finanzministeriums beziehungsweise der Ofner Finanzlandesdirekzion geeignet sein sollte, die Zweckmäßigkeit des Kunewalderschen Hauses in Zweifel zu stellen. Ich bitte Sie also übergeben Sie jetzt die ganzen Akten dem Nadherny, dem sie ganz neu sind und dessen Urtheil daher ein völlig unbefangenes sein wird. Sieht er Grund an der Zweckmäßigkeit des Kaufes, d.i. an der besseren Eignung des Kunewalderschen als des Felcky'schen Hauses noch zu zweifeln, so bitte ich sogleich unter seiner Leitung eine neue Kommission anzuordnen, zu welcher die früheren Sachverständigen, und Tandler, meinetwegen auch der Finanzlandesdirektor beizuziehen sein werden. Nadherny wird wohl daran thun sich schon vorher von dem Direktor des Wiener Thierarzneiinstitutes der wiederholt unten war, mündlich informieren zu lassen.

    Ich bitte vielmal um Vergebung! erst jetzt entdecke ich, daß ich dieses Notizenblatt1 statt eines reinen Bogens beschrieben habe!

    Bei der Kommission selbst wird natürlich dahin zu streben sein, daß Alles so umständlich erörtert werde, daß allen weiteren Umtrieben vorgebeugt sei – findet aber Nadherny die Sache schon jetzt klar, nämlich unzweifelhaft, daß die zweckmäßigste Fürsorge für das Institut der Ankauf des Kunewaldschen Hofes ist, so bitte ich dem Herrn Finanzminister persönlich mündlich und schriftlich zu erklären, daß ich auf Grundlage der allerhöchsten Entschließung darauf bestehen muß, daß nun endlich einmal gehandelt und die Zeit nicht weiter vergeudet werde. Wir sind später hierher gekommen, als ich geglaubt hatte, weil wir wegen schlechten Wetters unseren Reiseplan umstürzen mußten; nun sind wird aber wieder von prachtvollem Wetter begünstigt. Ich will morgen nach Thun und über den Gemmi nach Wallis mit einem Abstecher nach Chamonny und ich denke am 1. September in Zürich und am 5. in Tetschen einzutreffen.

    Aufrichtig der Ihrige
    Leo Thun