Johann Szeberinyi an Leo Thun
Schemnitz, 29. November 1859
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Kultus Protestanten Protestantenpatent

Eure Exzellenz,
Hochzuverehrender Herr Minister!

Halten zu Gnaden, ich muß Euer Exzellenz berichten, daß ich mit potenzirten Geisteskräften aufs Feld der Thätigkeit mich geworfen habe. Ich lebe und falle mit der Fahne des Patents vom 1. September.
Als mir die Kunde von der empörenden Kühnheit des Pesther Senioralconvents kam, sandte ich sogleich im Namen der Geistlichkeit des obern Theils der gewesenen Bergsuperintendenz eine Protestation gegen den für den 15. December abzuhaltenden Districtualconvent ein, sie wird in der nächsten Nummer des evangelischen Wochenblattes erscheinen. Überdies schrieb ich an alle Herren Senioren sie beschwörend, sich der Schmach des thatsächlichsten Ungehorsams gegen die k. Regierung nicht auszusetzen. Geistliche werden dort kaum Einige erscheinen, die Weltlichen werden ohne uns Nichts beschließen können und mögen auseinander gejagt werden. Auf jeden Fall wird der 15. December der Wendepunkt in der Patentenfrage sein; hier wird die Opposition an den heterogenen Elementen der Pressburger Superintendenz und der loyalen Vojvodina scheitern.
Zugleich bin ich so frei, beigeschloßene Thesen, die „im Namen vieler Theologen Ungarns“ dieser Tage gedruckt werden, mitzutheilen. 1 Sie sind ein Griff in glühende Kohlen und werden im Ausland nicht ohne Wirkung sein. Weh‘ aber mir!
Es zeichnet sich ehrfurchtsvoll

Euer Exzellenz

ergebenster Diener
Johann Szeberinyi

Schemnitz, den 29.11.