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Dokument Stimmungsbericht aus Rom
Rom, 16. Mai 1856
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D381
Regest

Ein nicht identifizierbarer Autor berichtet über die politische Situation in Italien und im Vatikan sowie über die Außenpolitik der beiden Länder. Der Autor ist überzeugt, dass sich der Kirchenstaat zunehmend von Frankreich abwende und Österreich zuwende. Der Grund hierfür sei die Annäherung zwischen Graf Cavour und Napoleon III. Außerdem gehe in Rom das Gerücht um, Napoleon III. wolle den Papst nach Paris bringen, um dort von diesem zum Kaiser gekrönt zu werden. Der Papst sei dazu allerdings nicht bereit.

Beilagen, Anmerkungen

Der Bericht ist einem nicht erhaltenen Brief entnommen.

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Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
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Transkription

    Aus einem Schreiben de dat. Rom 16. Mai 1856

    Im Vatikan geht gegenwärtig eine wichtige Geisteswende vor sich: die Herzen kehren sich endlich Wien zu. Der Mund spricht noch je nach Umständen. Die Äußerungen, die in Paris über Italien gefallen sind, haben hier tief verletzt. Man weiß, daß Napoleon denselben Raum gab. Cavour wurde von Walewsky an den Kaiser gewiesen. Der Kaiser behielt die Schrift, welche der Piemontese in Discussion werfen wollte: er ließ den Grafen ohne Ja und Nein: er genehmigte also stillschweigend. Dazu kommt die Entfernung dreier legitimistischer Bischöfe, von denen einer eben hier weilt. Man weiß hier genau, wie unkirchlich manche Konversation des französischen Kaisers mit gallikanischen Bischöfen und Gelehrten ist. Man traut ihm nicht mehr. Neulich erhielt Seine Heiligkeit die offenbar überspannte Warnung, er möge sich vorsehen: Napoleon beabsichtige, ihn im Nothfalle aufzuheben und nach Paris zu ziehen. Der Kaiser habe aus seinem Studium des Charakters Seiner Heiligkeit die Zuversicht gewonnen, von Pio IX, wenn er ihn einmal in Paris habe, die Krönung zu erlangen. Von dieser geheimen Warnung wissen nur Wenige. Pio IX ist durchaus nicht geneigt, nach Paris zu reisen, und am allerwenigsten, die Krönung zu vollziehen. Schon bei den ersten Anträgen und Begehrungen dieser Art hatte Fürst Hohenlohe den guten Einfall, jenen vortrefflichen Aufsatz1 der historisch-politischen Blätter, der die Bedeutung der Kaiserwürde entwickelte, in das Italienische zu übersetzen und Seiner Heiligkeit vorzulesen. Pio IX war davon sehr ergriffen und der Eindruck jener Worte Döllingers war ein bleibender.