János Simor an Leo Thun
Raab, 16. April 1860
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Kultus Personalfragen

Euere Excellenz!

Bei dem Umstande, als mein bester oder richtiger gesagt, mein einziger Arbeiter in den Diöcesanangelegenheiten erkrankt ist und daher die ganze Wucht der Geschäfte auf meinen Schultern beruht, kann ich mein Vorhaben, die Antwort auf das hochverehrte letzte Schreiben Euerer Excellenz persönlich zu überbringen, nicht ausführen, indem ich die Diöcese nicht verlassen darf.
Der Bischof von Siebenbürgen vermuthet mit Grund, daß Csajághy mir über den Domherrn Bonnaz Mittheilungen machte. Der Bischof klagte über seinen Domherrn und zwar zu wiederholten Malen. Die Klage bezog sich auf folgende Punkte: 1. Daß Bonnaz im Jahre 1848 nichts weniger als ganz correcter Gesinnung gewesen sei. Dies gehe aus den damaligen Diöcesanakten hervor. Erst nachdem das Glück und der Sieg den kaiserlichen Waffen sich zugewendet hat, habe er sich geändert. 2. Bonnaz gehe als Statthaltereirath ganz rücksichtslos vor und lasse seinen mächtigen Einfluß auf den Gouverneur den Bischofe fühlen. 3. Der Bischof habe Grund den echt kirchlichen Geist des Domherrn in Zweifel zu ziehen. In wie fern aber diese Klagen und Vermuthungen des Bischofs begründet sind, kann ich nicht wissen, da ich darnach nie nachforschte und nur in Erfahrung brachte, daß der Diöcesanclerus dem Domherrn nicht gewogen sei. Ich selbst habe einmal dem Bonnaz sein Betragen gegen seinen Bischof mündlich vorgehalten, er war hierüber ganz betroffen und stellte in Abrede, daß er die dem Bischofe schuldige Achtung je verletzte. Ob der Bischof später eine bessere Ansicht über Bonnaz gewonnen hat, ist mir unbekannt. Ich stand mit dem Bischofe in stetem Briefwechsel, doch ist über Bonnaz zwischen uns nie die Rede gewesen, seit ich Wien verließ. Der Erzbischof von Kalocsa schrieb mir bald nach dem Tode meines unvergeßlichen Freundes, daß dessen Nachfolger im Amte der Domherr Bonnaz werden dürfte, da er durch die Behörden gewünscht werde. Ich will nicht bezweifeln, daß der Erzbischof seinem besten Wissen und Gewissen folgte, als er sich so entschieden für Bonnaz erklärte. Hat sich übrigens der gedachte Domherr im Jahre 1848 Extravaganzen erlaubt, sei es in kirchlicher, sei es in politischer Hinsicht, dann würde ich ihm den Rath ertheilen, [sich] der bischöflichen Bürde nirgends, am allerwenigsten aber in Csanád zu unterziehen, denn er wird einen äußerst schwierigen Stand haben und doch nichts wirken können. Exempla docent. Hoványi wäre der rechte Mann für Csanád, fromm, gelehrt, wohlthätig, mackellos in jeder Hinsicht, ein solcher soll überall, vorzüglich aber in Csanád Bischof werden. Nachdem er aber zur Annahme eines Bisthums durchaus nicht zu bewegen ist, so gehört unter den von den betreffenden Bischöfen benannten Kandidaten der Vorzug unstreitig dem Professor Samuel Markfy, welchen ich schon für Neutra in der tiefsten Überzeugung meiner Seele zu benennen mir erlaubte. Ich schreibe diese Zeilen vor dem Bilde meines gekreuzigten Heilands, für den ich jeden Augenblick zu sterben bereit bin und ich könnte, würde mir die Wahl überlassen, wieder nur diesen und keinen andern wählen. Die Angelegenheit, um die es sich handelt, ist wichtig, denn es hängt davon das Seelenheil von Hunderttausenden ab, darum habe ich es für meine heiligste Pflicht erachtet, von den mir durch den Bischof Csajaghy gemachten Mittheilungen, vor Euerer Excellenz nichts zu verheimlichen.
Genehmigen Euere Excellenz die Versicherung der unbegränztesten Hochachtung, womit ich die Ehre habe zu verbleiben

Raab, den 16. April 1860

Euerer Excellenz

ergebenster Diener
J. Simor