Personalfragen Philosophie

Excellenz!

Indem ich dem gnädigen Willen Ihrer königlichen Hoheit der Frau Herzogin zu Nassau nachkomme, beehre ich mich, einen Aufsatz in Ihre Hände zu legen, dessen Zweck und Bestimmung ich als Euer Excellenz bekannt annehmen darf. Auf den anliegenden Blättern habe ich, außer den verlangten persönlichen Notizen, auch meine Grundsätze und Ansichten über einzelne wichtige Fragen des Lebens und der Erkenntnis in der Kürze auszusprechen mir erlaubt.1 Können diese Gedanken als ein Theil eines Glaubensbekenntnisses angesehen werden, so bin ich mir bewußt, daß sie, wenngleich nicht dem Umfange nach, doch durch ihre Aufrichtigkeit, in diesem Sinne gemeint sind. Die Tendenz, die ich am Schluß dieses kleinen Mémoire angedeutet habe, wird mir als eine Vorschrift dienen, als eine Verpflichtung für die Zukunft.
Erlauben Euer Excellenz, daß ich den Zweck dieser Blätter Ihrer gewogenen Verwendung angelegentlichst empfehle. Es bedarf nicht vieler Worte, um bei der Denkungsart, die ich, wie viele, an Euer Excellenz kenne, Ihnen eine Sache ans Herz zu legen, die für mich von größter Wichtigkeit ist. Ich suche nichts anderes, als was mir wohl schon zu Theil geworden wäre, wenn ich die in Belgien angefangene Laufbahn fortgesetzt hätte. Aber ich hege die Hoffnung, daß was mir durch die Gnade des hohen Nassauischen Hauses bereitet wird, mir dadurch noch werther als jenes werden soll, als es mir in meinem Vaterlande geboten wird, dem ich mit meiner Familie angehöre.
Genehmigen Euer Excellenz die Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung und Ergebenheit, womit ich die Ehre habe zu sein

Euer Excellenz

ganz gehorsamster Diener
Dr. Th. Schliephake, Hofrath

Wiesbaden, den 12. August 1851