Georg Schenach an Leo Thun
Innsbruck, 20. April 1857
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Personalfragen Universität Innsbruck Universität Wien

Euer Excellenz!

Mit ehrfurchtsvollstem Schreiben vom 17. Februar, in dem ich meinen innigsten Dank für die gnädige Ernennung zum Professor der Philosophie in Wien auszusprechen mir erlaubte, habe ich zugleich gewagt drei Bitten zu stellen: die Bitte um Bewilligung eines Urlaubs für das Sommersemester, die Bitte um Bewilligung einer Reise- und Übersiedlungsvergütung und die Bitte um Anrechnung der Decenalzulagen vom Jahre 1849 angefangen.
Es ist mir seitdem durch meinen Freund Prof. Feßler mitgetheilt worden, daß die Bewilligung des Urlaubs keinem Anstand unterliegen, die Bewilligung der beiden andern Bitten aber auf Hindernisse stoßen dürfte.
Die Sorge für eine gesicherte Subsistenz, die Überzeugung von der Billigkeit meiner Bitten und der Umstand, daß ähnliche und noch weit größere Begünstigungen auch andern Professoren gewährt wurden, veranlassen mich, neuerdings um gnädige Bewilligung einer Reise- und Übersiedlungsvergütung (als die ich auch die Flüssigmachung des mir in Wien zugesicherten Gehaltes von 1600 Gulden seit dem Tage meiner Ernennung zum Professor in Wien betrachten würde), vorzüglich aber um Bewilligung der Decenalzulagen vom Jahr 1849 nachzusuchen.
Die Gewährung dieser Bitten ist für mich von solcher Wichtigkeit, daß ich ohne sie mich nicht wohl entschließen könnte, die allerdings große Auszeichnung der Berufung nach Wien anzunehmen, sondern die bescheidene Stellung, die ich hier einnehme, vorziehen müßte. Und selbst auf diese Verzicht zu leisten und mich zur Verfügung meines Bischofs zu stellen geböte mir die Rücksicht auf eine sorgenfreie Zukunft und mein Ehrgefühl, wenn ich nicht meinen hiesigen Kollegen gleichgestellt und wenigstens nach dem Gesetze vom 28. Oktober 1849 behandelt würde.
Wie ich höre werden in Wien bald nach Georgi die Quartiere für Michaeli bestellt. Euer Excellenz wollen mir daher verzeihen, wenn ich die gehorsamste Bitte stelle, mir in Bälde gnädigst bekannt geben zu lassen, inwiefern ich die Erhörung meiner Wünsche hoffen darf. Ich fühle selbst, daß meine Zudringlichkeit keck sei, aber die Nothwendigkeit zu wissen, ob ich eine Wohnung in Wien miethen soll oder nicht, treibt mich dazu. Mögen Hochdieselben diesen Schritt von mir nicht anders deuten, der ich in ausgezeichneter Hochachtung und Ergebenheit stets bin

Euer Excellenz
gehorsamster Diener
Georg Schenach

Innsbruck, den 20. April 1857