Franz Rudigier an Leo Thun
Linz, 31. März 1859
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Kultus Benediktiner

Hochgeborner Graf!
Hochverehrtester Herr Minister!

Als ich das letzte Mahl die Ehre hatte, Eurer Excellenz aufzuwarten, haben Hochdieselben der weitern Entwicklung der Lambacher Angelegenheit mit einiger Besorgnis entgegengesehen. Ich glaube daher Eurer Excellenz einen Trost zu bereiten, wenn ich Hochderselben mittheile, daß am 17. dieses Monats die Einführung und Benediktion des neuen Abtes Theoderich Hagn zu Lambach in der besten Ordnung vor sich gegangen ist. Auch die alten Mitglieder des Stiftes haben bei diesen Feierlichkeiten eine ganz anständige Haltung bewiesen und bei dem Festessen in die allgemeine Heiterkeit eingestimmt. Das Volk hat an dem kirchlichen Theile des Festes großen Antheil genommen und äußert jetzt bereits, sicherem Vernehmen nach, große Zufriedenheit über die neue Ordnung. Die Liebenswürdigkeit der aus Metten gekommenen Mitbrüder und die Freundlichkeit des Abtes wird auch von den alten Conventualen bis jetzt anerkannt.
Mit allem diesem ist zwar noch nicht ein gutes Ende der Lambacher Sache gegeben, aber doch der Anfang eines solchen; und ich hoffe zu Gott, das gute Ende werde nicht ausbleiben.
Genehmigen Eure Excellenz die Versicherung der tiefsten Verehrung, mit welcher ich geharre

Eurer Excellenz

gehorsamster Diener
Franz Joseph Rudigier
Bischof

Linz, den 31. März 1859