Österreich

Hochgeborner Graf!

Ich habe die Ehre Eurer Excellenz die Erklärung, welche ich zu Rom über die Reverse gab, in Abschrift zu überschicken. Man erklärte sich mündlich für befriedigt und der Bischof von Siebenbürgen erhielt in diesem Sinne einen Bescheid, der allerdings nur mündlich gegeben wurde. Wenn die Regierung auf diesen Grundsätzen beharrt, so hat sie einen festen Stand; wenn sie ihr Wort brechen würde, so wäre dies eine moralische Niederlage und Österreich ist mit dem Papste in so weit in dem gleichen Fall, daß auch ihm für den Augenblicke nichts mehr bleibt als die moralische Macht des Rechts und der Wahrheit. Gibt man auch diese verloren, so ist jede Stütze gebrochen. Die Freimaurer- und Judenblätter sind nur deshalb so mächtig, weil man so offen zur Schau bringt, daß man sich vor ihnen fürchtet. Die Partei, welche es auf den Untergang Österreichs abgesehen hat und durch kein Zugeständnis versöhnt werden kann, wird künstlich verstärkt. Übrigens sind ohne Zweifel französische Emissäre zu Wien, sogar die Gerichte werden schon planmäßig organisirt. Gestern und vorgestern sprach die ganze Stadt, von den Büreau der Beamten bis zu den Schenken, von einem neuen Ministerium, Hübner an der Spitze; gestern abends wurde mir versichert, heute werde die Sache in der Wiener Zeitung erscheinen. Ich erklärte dies natürlich für eine von den Wühlern ausgestreute Lüge. Durch ein energisches Wort kann immer noch viel gewonnen werden, im schlimmsten Falle ist nichts dadurch verloren. Übrigens fragt es sich, ob gegenüber den von der Revolution organisirten Addressen der Protestanten nicht auch die Bischöfe an die Regierung sich wenden sollten?
Ich verharre übrigens mit vollkommenster Verehrung

Euer Excellenz

ergebenster Diener
J. O. Kard. Rauscher

Wien, am 31. Jänner 1860