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Dokument Joseph Porta an Leo Thun
Prag, 12. Juli 1852
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D170
Regest

Der Mathematiker Joseph Porta hat einen bis dato fehlenden Leitfaden für den Elementarunterricht in der Darstellung orthographischer Projektionen verfasst, der nun in Druck erscheinen soll und den er mit den dazugehörigen lithographischen Tafeln dem Minister zusendet. Dieser Leitfaden soll zeigen, dass der Unterricht im Situationszeichnen am Polytechnikum in Prag auf hohem Niveau betrieben werde. Porta bittet Thun auch, das Werk zu unterstützen sowie eine Verteilung an den Realschulen zu genehmigen, da bisher ein entsprechendes Lehrbuch, das auf wissenschaftlicher Grundlage verfasst wurde, fehle.

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Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
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Transkription

    Euere Excellenz!

    Gewohnt meinen Dienstespflichten nicht bloß nur in so weit zu genügen, daß mir keine Vernachlässigung im Allgemeinen zur Last gelegt werden kann, von jeher bemüht, mein bestes Wissen und alle meine Kräfte der Erfüllung meiner Pflichten zu weihen, ging mein vorzüglichstes Streben dahin, als man im Vertrauen auf meine Leistungen und die Befähigung mir im Jahre 1836 die verantwortliche Leitung des Situationszeichnungsunterrichtes an der hiesigen technischen Lehranstalt übergeben, diesen Unterricht auf jene Stufe zu heben, auf welcher er in allen Militärlehranstalten der Monarchie stand, und die Situationszeichnung auch an dieser Lehranstalt auf eine mit allen andern Instituten dieser Art gleiche Basis zu bringen; besonders aber die in kindische Verzierungssucht ausgearteten Willkührlichkeiten bei Darstellungen, die der wissenschaftliche Gebrauch bezweckt und als Grundlage zu solchen Forschungen dienen sollen, mit aller Macht, die mir zu Gebote stand, abzustellen. Erkennend, daß dies Ziel mir durch einen vollkommen geregelt durchgeführten Elementarunterricht erreicht werden kann und in die Lage versetzt selbst in den besten Schriften, die über diesen Gegenstand vorhanden waren, keinen eigentlichen Leitfaden, der ausschließlich diese Elemente allein behandelt, gefunden zu haben, habe ich mich bemüßigt, wenn gerade auch nicht diesen erst zu schaffen, doch das, was in den vorzüglichsten Schriften des Inn- und Auslandes über diesen Gegenstand zerstreut sich fand, in ein Ganzes zusammenzustellen und zu ordnen. Dies ist die kurze Geschichte jener Blätter, welche das Resultat meiner in langer Zeit aufgehäuften Erfahrungen in diesem Zeichnungszweige enthalten und welche gegenwärtig durch die Presse der Veröffentlichung entgegengehen.1
    In der Nebenlage erlaube ich mir ein Exemplar der zu dem im Drucke begriffenen Texte gehörigen neun Zeichnungstafeln ehrfurchtsvollst zu unterlegen, um Zeugnis über die Art und Weise zu geben, wie dieser Elementarunterricht in der Situationszeichnung schon durch eine bedeutende Reihe von Jahren mit dem besten Erfolge und auf das Ersprießlichste für den Weiterbau, besonders in Bezug auf die naturgetreue Terraindarstellung betrieben wird; und in dem gehorsamsten angebogenem Inhaltsprogramme glaubte ich zur Hochgnädigen Einsicht Kunde geben zu müssen, welchen Umfang die theoretischen Elementarbelehrungen erhalten werden und welche Gegenstände diese Belehrungen behandeln.
    Durch vielseitige Aufforderungen, dieses Werk, welches im Manuskript von manchen Sachverständigen geprüft wurde und Anerkennung erhielt, zu veröffentlichen aufgemuntert, wage ich es, Euere Excellenz um Hochdero Schutz für selbes schüchtern zu bitten, mir in Folge dessen Hochgnädigst zu erlauben, daß die Subskriptionseinladungen an alle hohen Landesschulbehörden zur Betheilung der unterstehenden Realschulen um so mehr senden dürfe, als nach dem einstimmigen Urtheile aller Sachkenner das angekündigte Werk das einzige ist, das selbständig und ausschließlich bloß die Elemente eines Zeichnungszweiges behandelt, der fast bis in die Neuzeit jeder wissenschaftlichen Unterlage entbehrte und von welchem man eben auch erst in der Neuzeit gewahr wird, daß er mehr als bloßer Handfertigkeit bedarf, daß er als Wissenschaft behandelt werden muß, soll er jenen Nutzen gewähren, den er zu leisten fähig ist. Genehmigen Euer Excellenz die ehrfurchtsvollste Bitte, dieses Werk mit Hochdero Schutze zu beglücken und der Verbreitung desselben Hochdero gnädigste Unterstützung zu schenken, so ist hochbeglückt der in tiefster Ehrfurcht ersterbende

    Euer Excellenz

    ganz gehorsamster Diener
    Joseph Freiherr von Porta

    Prag, am 12. July 1852