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Dokument George Phillips an Leo Thun
Wien, 4. Juni 1857
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D417
Regest

Der Jurist George Phillips empfiehlt dem Minister einen Lehrer für englische Sprache. Dabei handelt es sich um Richard Raby, der sich um die Stelle des Lehrers der englischen Sprache an der Prager Universität sowie am dortigen Polytechnikum bewirbt. Der Mann stammt aus England, er lebt aber seit Jahren in München, nachdem er durch einen Bankrott seiner Bank sein ganzes Vermögen eingebüßt hat. Raby ist Katholik, von einwandfreiem Leumund und beherrscht die deutsche Sprache vollkommen. Vor Jahren hat er sich außerdem durch eine Biografie von Papst Hadrian IV. ausgezeichnet.

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Transkription

    Hochgeborner Herr Graf
    Euer Excellenz

    wollen zu Gnaden halten, wenn ich, durch viele Bitten angegangen, es wage Hochdemselben einen Mann zu geneigter Berücksichtigung zu empfehlen.
    Um die zu Prag vacant gewordene Stelle eines besoldeten Lehrers der englischen Sprache, so wie um eben diese Function bei der dortigen polytechnischen Schule bewirbt sich ein mir seit vielen Jahren bekannter Engländer, namens Richard Raby. Bei einem in damaliger Zeit berühmt gewordenen Bankbruch, der hauptsächlich die Katholiken Englands traf, büßte unter diesem auch Herr Raby sein ganzes Vermögen ein und übersiedelte vor etwa dreizehn Jahren nach München. Er hat seine Existenz seither theils dadurch gefristet, daß er junge Engländer in Pension nahm, theils daß er, so wie seine Frau, Lectionen in der englischen Sprache gab. Er ist ein treuer und rechtschaffener Mann, ein treuer Katholik, gebildet, der deutschen Sprache vollkommen mächtig und hat sich auch als Schriftsteller versucht, auch ist er nicht ohne poetisches Talent. Die Schrift, welche er herausgegeben hat1, ist zwar von keinem großen Umfang: es ist die Lebensgeschichte des einzigen Engländers, welcher auf dem päpstlichen Stuhle gesessen hat. Die kurze Regierung Hadrians IV bot zu einem größeren Werke keinen reichhaltigen Stoff und das Thema war nur wegen des besonderen Interesses gegeben, welches das katholische England an diesem Manne nahm.
    Indem ich Hochdieselben bitte mir meine Freiheit zu verzeihen, zeichne ich mich mit größter Verehrung und Hochachtung als

    Euer Excellenz

    unterthäniger Diener
    G. Phillips, k.k. Hofrath

    Wien, 4. Juny 1857