Johann Pawelek an Kaiserin Elisabeth
Königsberg [Klimkovice], 27. Juni 1854
|

go to

Bittgesuch

Euer Majestät!
Allerdurchlauchtigste und Allergnädigste Kaiserin!

Alle Zeitungen fließen über von der allerhöchsten Milde und Huld, mit welcher Euer Majestät so viele wohlthätige Anstalten mit reichlichen Spenden gnädigst zu bedenken und als eine liebevolle Landesmutter allerhöchst Ihre ersten Tage zum Grunde einer segenvollen Zukunft zu machen geruhen. Diese alle Herzen des geliebten Kaiserreiches mit Freuden erfüllende Huld gibt dem allerunterthänigst Gefertigten den Muth, in seiner Noth zu Euer Majestät seine Zuflucht zu nehmen und um eine allergnädigste Hilfe gehorsamst zu bitten. Es handelt sich auch um eine wohlthätige Anstalt, nämlich um eine durch eine Feuerbrunst ausgebrannte Pfarrkirche, zu welcher 4.000 Seelen gehören, die da in den Wahrheiten des Heils unterrichtet wurden und unterrichtet zu werden benöthigen.
Der Tag des glorreichen Einzuges in allerhöchst Ihre und unsere Kaiserhauptstadt, dem wir alle mit Freuden entgegensahen, wurde für uns, die Bewohner des Städtchens Königsberg [Klimkovice] in k.k. Schlesien am Nachmittage ein Jammertag, indem bei einem heftigen Sturmwinde und Mangel an Wasser ein Feuer herauskam, welches den Pfarrhof, das herrschaftliche Schloß, 31 Hausnrn. sammt Scheunen in Asche legte und was das betrübteste dabey war, daß auch die Pfarrkirche vom Feuer ergriffen, trotz aller Anstrengung und Hilfe sammt dem Thurme auswendig und inwendig ausbrannte und die bloßen Mauern stehen blieben. Es war ein jammervoller Anblick an dem für Euer Majestät erfreulichen allerhöchsten Vermählungstage, die sich auf diesem glorreichen Tag freuende Pfarrgemeinde zu sehen, wie selbe mit thränenvollen Augen in einer Nothkapelle, in welcher jetzt der Gottesdienst abgehalten wird, sich versammelte und da halb unter freyem Himmel um den Segen und alles Wohlergehen für Euer Majestät flehte, bedauernd, daß es nicht so feyerlich geschehen konnte, als es bestimmt war und trostlos über die traurige Zukunft und Wiederherstellung des geliebten Gotteshauses; nachdem die Patronatsverhältnisse noch nicht geregelt sind und selbst ein Theil der äußeren, die innere Herstellung der Kirche ganz den armen Pfarrangehörigen anheim fällt. Es sind die Glocken zu übergießen, Altäre und Orgel herzuschaffen, eine Ausgabe, welche die Pfarrkinder zu erschwingen außer Stande sind und welche doch höchstnothwendig erscheint, um auf den Winter den Gottesdienst dort abhalten zu können.
Es bittet daher der allerunterthänigst Gefertigte Euer Majestät geruhen in allerhöchst Ihrer Huld zu der möglichen Herstellung dieses Gotteshauses uns eine milde Spende allergnädigst zu verleihen, damit wir den Gottesdienst wieder vollkommen abzuhalten im Stande wären, wo wir nicht unterlassen werden für das allerhöchste Wohl und den himmlischen Segen für Euer Majestät unsere eifrigsten Gebethe zu verrichten.

Königsberg, am 27. Juny 1854

Johann Pawelek
Pfarrer