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Dokument Joseph Mozart an Leo Thun
o. O., o. D. [1852?]1
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D183
Regest

Sektionsrat Joseph Mozart übersendet Leo Thun ein Verzeichnis von Texten mit religiösen Inhalten oder solchen, die auf Österreich und seine Geschichte Bezug nehmen. Viele dieser Texte sind in den von ihm zusammengestellten beiden Lesebüchern enthalten. Dabei betont er, dass er versucht hat, möglichst viele Texte mit patriotischen und religiös-moralischen Inhalten aufzunehmen. Er hat nicht nur die Auswahl der Schriftsteller, insbesondere der österreichischen, reiflich bedacht, sondern auch darauf geachtet, dass insbesondere der Standpunkt der katholischen Kirche berücksichtigt werde. Er glaubt daher auch, dass seine Lesebücher sicherlich einen positiven Einfluss auf die Jugend haben würden. Mozart bittet Thun schließlich um eine baldige Entscheidung, ob die Lesebücher für den Schulgebrauch zugelassen werden.

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Transkription

    Eure Excellenz,

    Im Anschluße habe ich die Ehre ein Verzeichnis der Musterstücke mit religiösem Stoffe, dann derjenigen, welche einen speciell österreichischen Stoff behandeln, endlich eine Übersicht der im Lehrbuche angeführten österreichischen Schriftsteller zu überreichen.
    Außerdem finden sich in der Sammlung sehr zahlreich Musterstücke mit religiös-moralischen Stellen, ohne deshalb gerade ausschließlich religiösen oder moralischen Inhaltes zu sein. Ich konnte sie nicht alle einzeln anführen.
    In der That ist es kaum möglich, das Element des belehrenden Stoffes mehr zu vertreten, als dies hier geschehen ist.
    Ich glaube, mit Bezug auf diese Übersichten, daß keine literarhistorische Sammlung existirt, welche eben so viele patriotische und religiös-moralische Stoffe enthält als die Meinige2, und zugleich das Uncorrecte entfernt hält.
    In meinen Lehrbüchern für die vier unteren Klassen ist allerdings mehr Religiöses und Vaterländisches: allein diese sind auch keine Literargeschichte.
    Man kann vielleicht noch mehr Stoff der erwähnten Art in ein deutsch-literarhistorisches Lehrbuch aufnehmen, aber nicht viel mehr. Wenn Eure Excellenz es befehlen, so wird der Lehrplan dadurch abgeändert oder es wird ein unkritisches, ein schlechtes literarhistorisches Handbuch, was Eure Excellenz wohl doch auch nicht würden empfehlen wollen.
    Glauben Eure Excellenz gnädigst meiner Versicherung, ich habe meinen Auftrag reiflich erwogen und kenne die Schriftsteller wohl, auch unsere österreichischen. Die bedeutenden unter den österreichischen sind im Wesentlichen von keiner besseren Färbung als Göthe und Schiller; unter Herder stehen sie weit. Dies gilt selbst von dem bedeutendsten der österreichischen Literaten, von Grillparzer, da gerade seine bedeutendsten Werke aus einer früheren Periode stammten, wo er mit sich selbst nicht im Klaren war. Hievon machen nur die Historiker eine Ausnahme, allein bloß in wissenschaftlicher Beziehung; auf die Literatur haben sie gar nicht gewirkt.
    Wie dem auch sein möge, ich glaube mit Bestimmtheit sagen zu können, daß die Benützung des ersten und zweiten Theiles dieser Sammlung einen besseren Geist unter der studierenden Jugend verbreiten werde, als dies durch andere derlei Sammlungen geschieht, die bloß vom literarhistorischen Standpuncte ausgehen. Falls Euer Excellenz die Benützung genehmigen, so könnte das beiliegende Verzeichnis der speciell österreichischen Stoffe und Schriftsteller mitgedruckt werden, um den Einwurf, solche Gegenstände seien nicht vertreten, gleich von vorn herein zu beseitigen.
    Ich erlaube mir schließlich die Art und Weise anzudeuten, in welcher sich das überwiegende Vorherrschen des speciell katholischen Elementes einzig und allein in jenem Umfange, in welchem es zu wünschen wäre, erzielen läßt.
    Beschränken Eure Excellenz die deutsche Literargeschichte auf die sechste Klasse und verlegen Hochdieselben in die siebente Klasse den Unterricht über neuere Literatur statt desjenigen über deutsche. In einem Handbuche für deutsche Literaturgeschichte läßt sich das, was gewünscht wird, in überwiegender Art nicht thun, sonst erreicht man den entgegengesetzten Zweck von dem, welchen man erreichen will. Man kann nur, wie ich gethan habe, das Religiöse am passenden Orte hervortreten lassen und überhaupt den moralischen Inhalt hervorheben, der bei mir sicher reichlich vorhanden ist.
    In der Geschichte der neueren Literatur dagegen lassen sich mustergiltige Übersetzungen von Werken katholischer Franzosen, Italiäner usw. geben. Hier könnte von einer durchgängig katholischen Färbung die Rede sein, obwohl man doch auch bedeutende katholische Schriftsteller zur Sprache bringen müßte, die für die Jugend weit verderblicher sind als irgend ein protestantischer, besonders unter den Italiänern.
    Jedenfalls bedingt dies eine Änderung des Lehrplans.
    Eine solche war aber nicht vorhanden, als ich mein Lehrbuch bearbeitete.
    Ich erlaube mir ohnedies die Bitte, Euer Excellenz mögen geruhen, über die beiden Bände dieser literarhistorischen Sammlung baldigst definitiv zu entscheiden und mir die Entscheidung bekannt geben zu lassen: denn zu meiner Überraschung höre ich nun, daß auch über den ersten Band, worüber mich Eure Excellenz mündlich bereits beruhigt hatten, noch nichts verfügt ist.

    Eurer Excellenz

    unterthänigster
    J. Mozart

    Theils allgemein religiöse, theils speciell katholische Stoffe:
    Seite 13 Bodmer, Noah3
    Seite 18 Gellert, geistliche Ode4
    Seite 40 Cramer, der Geist Gottes5
    Seite 58 Klopstock, der Tod6
    Seite 91 Uz, Theodiceen7
    Seite 97 Karsch, das Ungewitter8
    Seite 103 Jacobi, Aschermittwoch9
    Seite 111 Gerstenberg, Unsterblichkeit10
    Seite 152 Haman, Brocken11
    Seite 161 Herder, längere Abhandlung über Unsterblichkeit12
    Seite 251 Hölty, Todtengräberlied13
    Seite 255 Voß, Empfang des Neujahrs14
    Seite 257 Voß, der Wechsel15
    Seite 303 Salis, das Grab16
    Seite 317 Friedrich Schlegel, aus der Literaturgeschichte17
    Seite 321 Novalis, geistliches Lied
    Novalis, geistliches Lied
    Novalis, geistliches Lied18
    Seite 324 Chamisso, die Kreuzschau19
    Seite 325 Kosegarten, das Brod des heiligen Jodocus20
    Seite 325 Kosegarten, die fünf Begrüßungen21
    327 Hebel, der Winter22
    328 Hebel, die Vergänglichkeit23
    349 Rückert, Adventlied24

    Obige Muster sind derartige, die ausschließlich religiöse Gegenstände behandeln. Gedichte und Abhandlungen mit religiös-moralischer Tendenz finden sich noch viel mehr und von größerem Umfange in der Sammlung zerstreut.

    Verzeichnis der Musterstücke, welche einen speciell österreichischen Gegenstand behandeln:
    Seite … Gottsched, Ode auf Carlsbad (noch ungedruckt)25
    Seite 55 Klopstsock , Ihr Tod (Gedicht auf Maria Theresia)26
    Seite 114 Denis, Josephs II. Reise27
    Seite 115 Denis, Wiens Befreiung28
    Seite 116 Denis, Lied von Wien29
    Seite 117 Denis, Lied eines österreichischen Kriegers (in keiner Sammlung gedruckt)30
    Seite 118 Mastalier, Das Bild Maria Theresias
    Seite 119 Mastalier, Tod der Prinzessin Theresia31
    Seite 158 Herder, die Fürstentafel, eine böhmische Geschichte32
    Seite 159 Herder, das Roß aus dem Berge, eine böhmische Sage33
    Seite 209 Göthe, Italienische Reise, aus Venedig34
    Seite 214 Göthe, Krönung Kaiser Josephs II, eine historische Schilderung von großem Umfange35
    Seite 282 Schiller, der Graf von Habsburg36
    Seite 299 Blumauer, die Donaufahrt37
    Seite 333 Collin, Kaiser Max auf der Martinswand38
    Seite 339 Collin, Landwehrlied (in keiner Sammlung)
    Seite 340 Collin, Österreich über Alles (in keiner Sammlung)39
    Seite 342 Körner, Andreas Hofer40
    Seite 342 Körner, Durch41
    Seite 343 Körner, Abschied von Wien42
    Seite 344 Rückert, Hofer Commandant von Tyrol43
    Seite 345 Rückert, Speckbacher44
    Seite 365 Caroline Pichler, der Margräfin Schleier
    Seite 366 Caroline Pichler, Salm45
    Seite 367 Caroline Pichler, Roggendorf46
    Seite 369 Stelzhamer, Gedicht in der obderensischen Mundart (noch nirgends abgedruckt)
    Seite 379 Johannes Müller, die Zeit Rudolfs von Habsburg, eine historische Schilderung von größerem Umfange47
    Seite 383 Friedrich von Gentz, Manifest Seiner Majestät des Kaisers48
    Seite 368 Seidl, Hans Euler49
    Seite 353 Grillparzer, die Enthüllung des Standbildes Mozarts in Salzburg (noch in keiner Sammlung abgedruckt)50

    Österreichische Schriftsteller, von welchen Musterstücke vorhanden sind:
    Seite 112 Ayrenhoff, Aurelius
    Seite 114 Denis
    Seite 118 Mastalier
    Seite 296 Alxinger
    Seite 333 Collin
    Seite 341 Körner
    Seite 353 Grillparzer
    Seite 354 Anastasius Grün
    Seite 355 Lenau
    Seite 365 Caroline Pichler
    Seite 383 Gentz
    Seite 368 Seidl
    Seite 369 Stelzhamer

    Österreichische Schriftsteller, von welchen nur Biographien vorkommen:
    Seite 368 Zedlitz
    Seite 372 Enk
    Seite 372 Raimund
    Seite 372 Castolli
    Seite 372 Bauernfeld
    Seite 372 Halen
    Seite 400 Sonnenfels (von welchem schon im früheren Band ein Muster vorkam)