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Dokument Christian Molnár an Kaiserin Elisabeth
Hermannseifen [Rudník], 2. Juli 1854
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D320
Regest

Der evangelische Pastor Christian Molnár bittet Kaiserin Elisabeth um eine Unterstützung für seine notleidende Familie. Das Einkommen aus seiner Gemeinde ist aufgrund der Armut der Bevölkerung gering und auch die Mitgift seiner Frau ist bereits aufgebraucht. Er hofft auf die Gnade und Barmherzigkeit der Kaiserin und gelobt, für das Kaiserpaar zu beten.

Beilagen, Anmerkungen

Das Schreiben befindet sich im Nachlass gemeinsam mit zehn weiteren Majestätsgesuchen unter der Signatur A3 XXI D320.

Schlagwörter
Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
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Transkription

    Euer Majestät!

    Von allzu großer Noth getrieben, wagt es ein sehr hart geprüfter Vater vor die Stufen des geheiligten Thrones Euer Majestät niedergebeugt in tiefster Devotion zu treten und um eine Gnadengabe zur Ernährung seiner dem Hunger preisgegebenen 6 Kinder und ihrer thränenden Mutter zu flehen. Der Herr hat ihm das Amt eines evangelischen Seelsorgers anvertraut, in welchem er bereits 22 Jahre treu arbeitet. Seine Vorgesetzten werden kein Bedenken tragen, ihm ein günstiges Zeugnis zu ertheilen. Seine sehr kleine im rauhen Riesengebirge gelegene Stelle gewährt ihm jährlich, alle seine Einkünfte streng zusammengenommen, höchstens 270 fl CM, wovon er jedoch seit langer Zeit in Folge der Theuerung und Hungersnoth unter seinen sehr armen Kirchkindern, die mittelst Repartition seinen fixen Gehalt unter sich zu sammeln haben, kaum den dritten Theil erhält. Die kleine Mitgift seiner Gattin hat er bereits zugebüßt und leidet nun mit seiner Familie die größte Noth, die in dem Maaße zunimmt, als seine Kinder heranwachsen. Von Schulden gedrückt hat er natürlich keinen Kredit mehr.
    In dieser äußerst traurigen Lage sieht er sich genöthigt, an die christliche Barmherzigkeit zu appellieren, um seine unglückliche Familie vor Hunger, Blöße und Schmach zu bewahren und seine Schulden zu tilgen. Euer Majestät wollen allergnädigst geruhen, auf ihn und seine arme Familie von der Höhe Allerhöchstihrer erhabenen und geheiligten Thrones huldreich herabzublicken und ihm eine Gnadengabe allergnädigst zu ertheilen.
    Wer Schmerzensthränen in Dank- und Freudenthränen verwandelt, dem wird es im Himmel wohl belohnt werden. Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen, spricht Jesus unser Herr. Er der König aller Könige, der die irdischen Throne mit Glanz und Ruhm schmückt, möge Euer Majestaet und Allerhöchstderselben hocherhabenes Herrscherhaus schützen, erhalten und mit Seinem Segen reichlich überschütten. Er kröne Euer Majestät nach langem glücklichen Erdenleben mit der unvergänglichen Krone des ewigen seligen Lebens! Amen!

    In tiefster kindlichen Devotion

    Euer Majestät

    allerunterhänigster Knecht und Fürbitter
    Christ. Aug. Molnár,
    evang. Pastor zu Hermannseifen

    Hermannseifen,
    Trautenauer Bezirkshauptmannschaft,
    Gitschiner Kreises in Böhmen am 2. Juli 1854