Johann Maresch an Unbekannt 1
Prag, 15. Februar 1855
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Schulräte Gymnasien Böhmen

Hochwürdiger Herr Sekzionsrath!

Ich kann nicht umhin in dem wichtigen Augenblicke der Entwerfung des Geschäftsganges für die anzustellenden Schulräthe oder, wie aus dem hohen Erlasse wegen der Redakzion der Zeitschrift Ǐkala a Žiwot hervorgeht, für die bereits angestellten Schulräthe nochmals einige Bemerkungen über die gegenwärtige Stellung der Schulinspektoren Euer Hochwürden zu unterbreiten.
Seit Aufhebung der Landesschulbehörden durch das Inslebentreten der Statthaltereien ist die Stellung und somit auch die Wirksamkeit der einzelnen Schulinspektoren eine wesentlich andere geworden. Während sie früher Räthe des Statthalters waren, ohne deren Zustimmung eine Anstellung, eine Beförderung, Belohnung und gegentheils eine Bestrafung der Lehrer nicht statt finden durfte und auch nicht statt fand, sind die Inspektoren der Gymnasien wie die der Real- und Volksschulen zu Beiräthen des Schulreferenten herabgesunken, welche derselbe hören kann, aber nicht muß, zuweilen auch nicht hört und künftig gänzlich ignorieren wird. Heute beschwerte sich Effenberger gegen mich, daß wichtige Verordnungen an die Gymnasialdirekzionen ergehen, von denen er erst aus den Konferenzprotokollen Kunde erhält, daß Schüler aus den Anstalten ausgeschlossen werden, ohne daß der Referent um die Zustimmung des Inspektors sich kümmert, weßhalb Effenberger allen Muth verliere. Ich kann das Gleiche berichten. Der älteste Lehrer in Plan erhielt das silberne Verdienstkreuz, ohne daß ich über seine Verdienste befragt ward, der Katechet für die Czeslauer Hauptschule wurde auf diesen Posten angestellt, ohne daß ich mein Votum abzugeben veranlaßt ward, Privatinstitute werden bewilligt, ohne daß ich den Lehrplan zur Vorgutachtung erhalte, meine Reiseberichte erledigt, ohne daß ich weiß, ob meine Anträge durchgehen und was auf dieselben erfolgt ist. Kurz, wir sind nur noch der Schatten der früheren Schulräthe, und bald werden wir unwissender in dem sein was im Departement vorgeht, als die Konzipisten und Konzeptsadjunkten, welche bei uns arbeiten.
Wie man uns anderweitig achtet geht daraus hervor, daß Zeithammer und ich ein gemeinsames Bureau haben, wodurch besonders bei Besuchen einer den anderen stört, und die Parteien nicht wenig genirt sind, welche mit uns zu sprechen haben. Keine Tafel besagt, wo ein Schulrath zu finden, nur für die Statthaltereiräthe sind welche angebracht; ich kaufe mir selbst die Kerzen, da ich deren bisher id est im gegenwärtigen Winter erst im Monate Jänner trotz wiederholtem Ansuchen nur ein Pfund erhielt, und seitdem Niemand frägt, ob ich deren bedarf. Man wollte, daß wir abends im Bureau arbeiten; allein was nutzt auch das hinkommen, wenn Niemand da ist, der einem eine Kerze aufsteckt. Wie schwer ist es zudem für uns, die wir bei unseren Arbeiten häufig wissenschaftliche Behelfe, als Bücher etc. haben müssen, im Bureau zu arbeiten. Allein das würdigt man nicht.
Ich bin weit davon, Seine Excellenz damit beschuldigen zu wollen, als meine er es uns nicht gut oder wolle nicht die Hebung des Schulwesens. Allein wie kann der Herr Statthalter von allen diesen Dingen Kenntnis haben, wer wird ihn mündlich mit solchen Dingen behelligen, ja wer wird wieder klagen, da eine Kollektiveingabe von uns Dreien nicht an uns, sondern an den Statthaltereirath erlediget ward, welcher uns den Bescheid mündlich mittheilte, daß wir nicht Kerzen bekommen können, außer wir arbeiten im Bureau. Den weiteren Erfolg kennen Sie aus obigem.
Wird in dem gegenwärtigen Augenblicke nicht geholfen, so geht das Institut der Schulräthe dem moralischen Tode entgegen. Nehmen wir nicht bei Besetzungen von Lehrerstellen als Referenten an den Sitzungen der Statthaltereiräthe Antheil, können wir unsere Anträge in den Reiseberichten nicht selbst erledigen, oder werden diese nicht einer Discussion mit dem Referenten vor der Erledigung unterzogen, haben wir bei Remuneration, bei Krankheitsaushilfen, bei Belohnungen und Bestrafungen keine berathende Stimme, dann sind wir binnen Jahresfrist nichts anderes in der öffentlichen Meinung als die Handlanger des Studien- und Schulreferenten und unsere Wirksamkeit wird eine spurlose werden. Das Ansehen der früheren Studiendirektoren war ein ungleich größeres, ihre Stellung eine ihrem Amte ungleich würdigere, als die unsrige zu werden droht.
Entschuldigen Euer Hochwürden diese meine freimüthigen Bemerkungen. Diese sind nicht ein „Ćićero pro domo sua“, sind kein Ergebnis eines niederen Ehrgeizes, sondern bloß ein Ergebnis meiner Anschauung der Unzulänglichkeit des Zustandes und meines redlichen Willens die Summe des Guten hinieden möglichst zu mehren und mit dem erforderlichen Einflusse und dem nöthigen Ansehen ausgestattet beizutragen, daß eine intelligente, gottesfürchtige und mit Liebe und Anhänglichkeit für das Allerhöchste Kaiserhaus und insbesondere für den herrlichen Kaiser, dem Gott zum Heile Oesterreichs die Fülle Seiner Gaben verliehen, erfüllte Jugend herangebildet werde.
Will der Staat Schulräthe, so ermögliche man ihnen die erforderliche Wirksamkeit; die Personen wechseln und vergehen, die Sache bleibt. Kann uns die erforderliche Wirksamkeit nicht ermittelt werden, so will ich gern mit Ergebung in das Unzulängliche und mit Hingebung für die gute Sache fortdienen und fortwirken, so lange mir Gott die Gesundheit läßt und eine Wirksamkeit überhaupt möglich ist; dermalen aber habe ich durch diese umfassende Mittheilung auch meine Pflicht erfüllt.
Nicht unangenehm dürfte es Euer Hochwürden sein zu erfahren, daß ich soeben 25 Stück Ornamente vom Kölner Dom aus jener Suite abgießen ließ, welche jüngst für die Technik in Prag um 300 fr Silber erkauft wurden. Sämtliche 25 Stück kosten 15 fr K. N. (ohne Kiste). Sie werden in den Unterrealschulen für Konturzeichnungen gute Dienste leisten, an den Oberrealschulen aber zu Ausführungen in verschiedener Manier benutzt werden.
Herzlichen Dank für die 500 fr zur Anstellung eines Zeichnenlehrers in Steinschönau [Kamenický Šenov]. Schon ist der Grund zu einem kleinen Fonde dadurch gelegt, daß Herr Hofmann, Glasraffineur und Glashändler in Prag, den ich bei allen Schritten für Steinschönau theils berieth, theils von dem Geschehen verständigte, zu den bereits auf Zeichnungen für Steinschönau jüngst gewidmeten Betrage von 100 fr einen weiteren Betrag von 400 fr widmete. Daß ich durch diese Gabe erfreut, bereits den Vikär und Ortsseelsorger davon in Kenntnis setzte und aufforderte für Bildung des Fondes in Steinschönau um so mehr thätig zu sein, als selbst ein Prager Bürger solche Opfer bringt, versteht sich von selbst. Sobald die Sammlung in Steinschönau vollendet ist, werde ich einen Bericht darüber für den Schulboten einsenden. Bereits hat man in Steinschönau erklärt die 500 fr von Hoffmann ungeschmälert zu erhalten und die bereits beigeschafften Zeichnungsvorlagen aus Gemeindemitteln zu bezahlen. Wieder ein Samenkörnlein des Guten in unserem lieben Heimathslande.
Für heute genug. Leben Sie wohl. Meine gute Mutter meldet ihren Handkuß. In aller Liebe geharre Euer Hochwürden

Verehrer
Maresch

Prag, 15. Februar 1855