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Dokument Ottokar Lorenz an Leo Thun
Wien, 1. Januar 1860
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D546
Regest

Der Historiker Ottokar Lorenz überreicht dem Minister zwei seiner jüngsten Arbeiten als Dank für dessen Unterstützung und Förderung seiner historischen Studien. Besonders hebt Lorenz eine Arbeit über das 13. Jahrhundert hervor, welche auf neuen Quellen beruht.

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Transkription

    Euer Excellenz!

    Wenn ich mir erlaube Euer Excellenz zwei von mir eben erschienene historische Abhandlungen ehrfurchtsvoll zu überreichen, so geschieht dies in dem aufrichtigen Gefühle wahrer Dankbarkeit für die huldvolle Unterstützung und Förderung meiner Studien, die Euer Excellenz mir dereinst haben zu Theil werden lassen. Möchten Euer Excellenz dieselben als ein geringfügiges Zeichen dieser Gesinnung entgegennehmen.
    Der Vortrag über Leopold III.1 hat seiner ursprünglichen Bestimmung nach zwar vorherrschend bereits Bekanntes zu verarbeiten gehabt, aber aus den beigefügten Akten und Excursen werden Euer Excellenz ersehen, daß eine Anzahl nicht unwichtiger bisher unbeachteter Punkte in selbständiger Weise behandelt worden sind und ich habe die Freude gehabt schon jetzt Zustimmung competenter Fachmänner hierin zu erfahren.
    Die andere Abhandlung ist unmittelbar aus meinen Arbeiten über das 13. Jahrhundert hervorgegangen und es gereicht mir zu einer gewissen Genugthuung hiemit eine durchaus neue auf handschriftlichen Quellen zumeist beruhende Arbeit publicirt zu haben. Denn, da ich in der Überzeugung von dem Werthe, den historische Verständigung in weitern Kreisen haben kann, mich in verschiedenen Sphären schriftstellerisch versuche, so konnte es leicht den Anschein gewinnen, als ob ich durch eine mehr popularisierende Richtung oder vielleicht durch journalistische Geschäftigkeit meine Kräfte zersplittere und von tieferem Quellenstudium mich abziehn lasse. Euer Excellenz würden nun, wenn Sie die vorliegende Schrift eines Blickes würdig halten sollten, sich leicht überzeugen, daß das hier Gelieferte in der Auswahl, wie es gegeben ist, umfangreichere Vorarbeiten voraussetzt. Publikationen aus denselben gehen aber nicht rasch von Statten, da ich mich eines bloßen Wiedergebens von Documenten, wie ich Seite 44 Note 1 offen erklären zu müssen glaubte, grundsätzlich enthalte.
    Gestatten Euer Excellenz mir den Ausdruck meiner Dankbarkeit für die ehemals erwiesene Huld hier zu wiederholen.

    Euer Excellenz

    tiefergebener
    Ottokar Lorenz

    Wien, den 7. Juni 1860