Info

Dokument Karl Kuzmány an Leo Thun
Neusohl, 2. September 1860
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D607
Regest

Der Pressburger Superintendent Karl Kuzmány bittet darum, dass das Kultusministerium den Darmstädter Prälaten Karl Zimmermann als Gast zu seiner Installation als Superintendent einlädt. Durch diesen hohen Gast würde das Ereignis an Würde gewinnen. Der Prälat wäre dazu bereit und bittet um eine offizielle Einladung seitens der österreichischen Regierung, um mögliche Missverständnisse zu vermeiden. Kuzmány bittet außerdem um eine Anstellung für Johann Szeberinyi.

Beilagen, Anmerkungen

Verweis auf A3 XXI D606.

Schlagwörter
Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
License eXist-db

Transkription

    Euer Excellenz!

    Es ist der allgemeine Wunsch unserer Leute, daß doch zu meiner Installation irgend ein Superintendent von größerem Ruf aus Deutschland kommen möchte. Ich ließ daher an den studirenden Borbis nach Leipzig schreiben, der dort bei Lechler, Kahnis und vielen anderen sehr beliebt ist, um bei dem Ersteren anzufragen. Dieser aber entschuldigte sich – betheuernd sonst seine vollkommene Bereitwilligkeit – damit, dass er sogleich nach der Part. [?] Versammlung dem Ausschuß werde präsidiren müssen, welcher mit der Ausarbeitung der Gesetzvorlagen in allen kirchlich-politischen Dingen betraut ist und dass diese der Art seien, dass er sich von dem sächsischen Landtag nicht einen Schritt werde entfernen können; er empfahl aber Prälat Zimmermann. Nun schreibt mir Seberiny [Szeberinyi] aus Ulm, dass er denselben gesprochen und ihn dazu willig gefunden; nur dass er verlange von einem Staatsbeamten aus dem h. Ministerium für Cultus dazu aufgefordert zu werden, um seiner Regierung gegenüber gedeckt zu sein, dass er nicht etwas thue, was Seiner Majestät unseren Kaiser unangenehm wäre. Mein Wunsch ist es allerdings auch, dass der hohe Prälat käme; ist es daher möglich der von ihm gestellten Bedingung zu entsprechen, so bitte ich darum unterthänigst, ihr zu willfahren. Reiseunkosten würde er schwerlich sich erstattet wissen wollen; eher vielleicht eine Auszeichnung. Wenn aber Euer Excellenz hierzu zustimmen, so müßte es sehr bald offeriert werden, denn, wie mein erster Brief von heutigem Datum meldet 1, ich habe die Installation bereits auf den 26. Sept. festgesetzt. Seberiny [Szeberinyi] wird in der Rückreise seine Aufwartung Eurer Excellenz zu machen nicht unterlassen. Diesen sollte man doch nicht so völlig fallen lassen. Ist für ihn keine andere Aussicht, so könnten ihm Euer Excellenz vielleicht den Antrag machen zu mir als mein Secretär zu kommen – vorläufig wenigstens auf ein halbes Jahr – und ihm dafür etwa einige 400–500 fl auswirken; ich würde ihm dazu von meiner Functionszulage gerne das noch übrige Nothwendige beisteuern.
    Dero hoher Gnade ehrerbietigst empfohlen verharre mit tiefster Hochachtung

    Euer Excellenz

    unterthänigster Diener
    Karl Kuzmány
    Superintendent

    Neusohl, den 2. Sept. 1860