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Dokument Svetozar Kušević an Leo Thun
Zagreb, 24. Februar 1851
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D105
Regest

Der Komitatsrat Svetozar Kušević übermittelt Leo Thun die von ihm gewünschten Informationen zu zwei Kandidaten für die Stelle eines Gymnasialinspektors in Kroatien. Kušević betont, dass sich beide Kandidaten in Gesprächen an der Stelle interessiert gezeigt hatten. Der erstgenannte Kandidat war vor seiner Pensionierung Professor am Josephinum: Er wäre zwar für die Stelle geeignet, allein er würde im Fall der Gründung einer Universität in Zagreb eine Bewerbung auf eine Professorenstelle ebendort vorziehen. Der zweitgenannte ist ebenfalls Mediziner und würde sich aus der Sicht Kuševićs besonders durch seine Sprachkenntnisse für den Posten eignen. Kušević hofft, dass die mitgeteilten Informationen Thun die Wahl erleichtern werden.

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Transkription

    Euer Hochwohlgeboren!

    Bei meinem Abschiede aus der Residenz hatten Euer Hochwohlgeboren die Güte mir aufzutragen, Ihnen über die Beschaffenheit zweier Individuen, die als Competenten einer Gymnasialinspectorsstelle bezeichnet werden könnten, eine nähere Mittheilung zu machen. Ich entledige mich mit Vergnügen dieses mich beehrenden Auftrages, indem ich Euer Hochwohlgeboren höflichst zu berichten die Ehre habe, daß ich Gelegenheit gesucht habe, um mit dem Dr. Zlatarović pensionirter Professor des Josephinums und dermalen practischen Homeopatharzt hier, über den obberührten Gegenstand eines Gymnasialinspectors zu sprechen und seine Meinung hierüber zu sondiren, wo es mir gelang zu erfahren, daß er das Amt eines Professors jeder Beschäftigung vorzieht, und daß er bei der Errichtung einer Universität für Croatien um ein solches jedenfalls als Medicinae Professor sich bewerben würde. Er zeigte bei dieser Gelegenheit auch sehr viel Lust für die Stelle eines Gymnasialinspectors, nur scheint es, daß ihn der Wirkungskreis und die Aufgabe eines solchen minder bekannt ist. Dies ist, was ich über dieses Individuum zu sagen weiß, da über seine Fähigkeiten und bisherige Leistungen Euer Hochwohlgeboren reichlichere Quellen zu Gebothe stehen, dem ich sonst nichts beizufügen habe, als daß er hier allgemein geachtet und als Arzt viel in Anspruch genommen wird.
    Das zweite Individuum, über welches ich die Ehre hatte Euer Hochwohlgeboren mündlich zu erwähnen, ist der Dr. Anton Pavić, Comitatsphysicus zu Poseg [Possegg] seit 1836. Derselbe ist ein Mann von 48 Jahren, verheirathet, hat alle Studien mit einem ausgezeichneten Fleiße vollendet, ist 22-jähriger practischer Arzt, diente im Allgemeinen Krankenhause in Wien als Secundararzt und Assistent, fungirte im Spitale zu Salzburg als Assistent und Primarius, nicht minder versah er daselbst die Lehrstühle der Geburtshilfe wie auch der theoretischen und praktischen Medizin, ferner diente er auch als Bezirksarzt zu Völkermarkt und erwarb sich überall die besondere Zufriedenheit der Vorgesetzten, die Liebe und Achtung des Publikums, wovon er unzweifelhafte, mir wohlbekannte Zeugnisse besitzt, außer seinem Berufe erfüllt er die Pflicht eines guten Bürgers als Wahlbürger der Stadt Poseg [Possegg], eines fleißigen Beamten als beeideter Gerichtstafelbeisitzer, in seinem Privatleben wird er von seinen Mitbürgern als ein guter Hausvater besonders geehrt, neben seinem Berufe noch befaßt er sich mit der Literatur, mit verschiedenen naturwissenschaftlichen Sammlungen und ist als ein besonderer Verehrer der Wissenschaften und Künste bekannt, er ist nebstbei correspondirendes Mitglied der Gesellschaft der Ärzte und der botanischen Gesellschaft in Wien, nicht minder ordentliches Mitglied der vaterländischen Geschichte und der Alterthümer in Agram [Zagreb], er spricht und schreibt gut illirisch, deutsch, lateinisch und ungarisch, mittelmäßig italienisch und französisch.
    Aus diesem belieben Eure Hochwohlgeobren zu entnehmen inwieferne einer dieser Herren besser dem gedachten Dienste zu entsprechen im Stande wäre, da sie beide sehr viel Lust zur Betretung einer obbesagten Bahn geäußert haben.
    Mir bleibt demnach nichts ferner übrig, als meinen unbedeutenden Dienste auch fernerhin Euer Hochwohlgeboren anzubieten und mich dem hochgeschätzten Wohlwollen mit dem Ausdrucke meiner unbegränzten Hochachtung zu empfehlen, mit dem ich zu verharren die Ehre habe.

    Euer Hochwohlgeboren

    ergebenster Diener
    Svetozar Kušević
    k.k. Comitatsrath

    Agram, den 24. Februar 1851