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Dokument Rudolf Kink an Leo Thun
Triest, 25. März 1857
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D408
Regest

Der Statthaltereirat Rudolf Kink bedankt sich für das Angebot von Leo Thun, sich um die Stelle des Unterrichtsreferenten in Innsbruck bewerben zu können. Er bittet allerdings stattdessen darum, wieder in das Ministerium für Kultus und Unterricht nach Wien zurückkehren zu dürfen. Dabei bewegen ihn weder finanzielle oder gar Gründe des öffentlichen Ansehens, sondern nur der persönliche Wunsch, wieder nach Wien zurückzukehren und direkt dem Minister zu dienen. Auch erscheint Kink der Dienst im Ministerium angenehmer und interessanter. Das Amt des Unterrichtsreferenten in Innsbruck sei zudem sehr weit gefächert und wäre zumindest in Tirol besser einem Geistlichen zu übertragen. Außerdem habe sich sein Bekanntenkreis in Innsbruck nahezu aufgelöst, so dass man von einer Rückkehr in die Heimat beinahe nicht sprechen könne. Allerdings betont Kink, dass nicht sein Wunsch, sondern der Wille des Ministers ausschlaggebend sei und er sich bereitwillig dessen Anordnungen unterordnen werde.

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Transkription

    Euere Excellenz!

    So eben erhielt ich das Schreiben Ehrhart’s, der mir im Auftrage Eurer Excellenz mittheilte, daß es mir, da die Übersetzung nach Venedig problematisch sei, freigestellt bleibe, mich um die Unterrichtsreferentenstelle in Innsbruck zu bewerben. Indem ich für diesen neuen Beweis gnädiger Rücksichtnahme meinen ehrfurchtsvollen Dank ausdrücke, sehe ich eben darin zugleich die Ermächtigung, in der Sache selbst mein Anliegen mit Offenheit vorzutragen.
    Bevor ich nach Troppau und bevor ich nach Triest kam, hatten Eure Excellenz beide Male die Gnade, es mir freizustellen, ob ich nicht diesem Avancement in die Provinz das Verbleiben im Ministerium vorzöge. Besondere Gründe, die Euer Excellenz auch gnädig aufnahmen, bestimmten mich damals, die schnellere Beförderung in der Provinz vorzuziehen. Wären diese besondern Verhältnisse nicht gewesen, so hätte ich – nach dem Beispiele der meisten meiner Kollegen – es vorgezogen, zu bleiben. Denn nebst dem, daß mir der Dienst dortselbst durch das gnädige Vertrauen Eurer Excellenz besonders werth gemacht wurde, hat derselbe (ganz abgesehen von dem Aufenthalte in Wien) sehr große Vorzüge vor dem Dienste in der Provinz. Er ist gleichzeitig angenehmer und interessanter. Die Stellung des Unterrichts- und Kultusreferenten wird aus Anlaß der vielen persönlichen Berührungen und durch eine Menge von Geschäften, die ganz interessenlos und doch zeitraubend sind, verbittert. Nunmehr, da die Dinge ganz anders gekommen sind, als ich dachte, habe ich keinen andern Wunsch mehr als den, daß mir die Rückkehr zum Ministerium nicht versperrt bleibe, sei es auch, ohne alle Beförderung in gleicher Eigenschaft. Ich vermied es, bisher Eure Excellenz mit dieser Bitte lästig zu fallen und werde auch in Zukunft damit nicht mehr lästig fallen; aber es gereicht mir zum großen Troste, daß der gegenwärtige Anlaß es mir gestattet, sie vorbringen und in Eure Excellenz Hände legen zu können.
    Was die Stellen in Venedig und Innsbruck anbelangt, so glaube ich, ist der Gesichtspunkt folgender. Die Unterrichtsreferentenstelle in Venedig ist wichtiger und instruktiver als jene in Triest; eine Übersetzung dahin kann daher, auch abgesehen von dem höhern Gehalte von 2500 f., nur als ehrenvoll betrachtet werden. Dagegen würde die Übersetzung nach Innsbruck kaum den Anschein des Gegentheils vermeiden, weil, wenn auch die Provinz größer, doch die Stadt viel unbedeutender ist als Triest. Der Umstand, daß ich in Innsbruck das Quartiergeld von 400 f. verliere, würde mich um seiner selbst willen nicht abschrecken, denn ich weiß, daß man faktisch mit 2000 f. in Innsbruck nicht schlechter daran ist als mit 2400 f. in Triest, aber dieser Umstand trägt auch wieder dazu bei, den Posten als einen geringern erscheinen zu lassen. Eure Excellenz haben dabei gewiß in Betracht gezogen, daß Innsbruck meine Heimat ist, der ich vor allen übrigen Orten den Vorzug geben würde. Allein seit den 6 Jahren meiner Abwesenheit hat sich dort so vieles verändert; der Kreis meiner Lieben und Bekannten ist dort so sehr gelichtet worden, daß ich den Maßstab und die Erinnerungen der frühern Jahre gar nicht mehr dafür verwenden könnte. Es scheint mir auch zweifelhaft, ob nicht diese Stelle in Innsbruck von einem Geistlichen bekleidet sein sollte; nicht so sehr der Geistlichkeit wegen, der, so viel ich glaube, ein weltlicher Referent sogar lieber ist, weil er nicht so leicht in eine schiefe Stellung zu den Ordinariaten kommt, sondern der Bevölkerung wegen. Wenn ich nun ferner erwäge, daß meine Bewerbung um diesen, in der Allgemeinheit gewiß als geringer angesehenen Posten, wenn sie nicht gelingt, hier zu manchen sonderbaren Auslegungen Anlaß geben würde, so werden Eure Excellenz es gnädig aufnehmen, daß ich diese Kompetenz nicht einreiche. Es versteht sich aber von selbst, daß ich sowohl nach Innsbruck als nach Venedig zu gehen, jeden Augenblick bereit bin, wenn es mir aufgetragen wird; sollten Eure Excellenz es geradezu wünschen, daß ich hiefür Kompetenzgesuche einreiche, so werde ich auch dessen mich nicht weigern. Rücksichtlich Venedig’s kann ich nur wiederholen, daß ich den Tausch mit Triest zwar gerne eingehe, daß es mir aber sehr schmerzlich wäre, wenn ich besorgen müßte, daß der Dienst in Italien mein definitiver und endgiltiger wäre. Mir macht dabei nur der Gedanke Muth, daß die Gnade Eurer Excellenz wie in der Vergangenheit so auch in der Zukunft meine beste Stütze sein wird.
    Genehmigen Hochdieselben den Ausdruck der tiefen Ehrfurcht und Verehrung, mit der ich geharre

    Eurer Excellenz gehorsamster Diener Rudolf Kink

    Triest, 25. März 1857