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Dokument Rudolf Kink an Leo Thun
Wien, 20. September 1853
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D227
Regest

Ministerialkonzipist Rudolf Kink informiert Leo Thun über den Fortschritt des Drucks der Geschichte der Universität Wien. Er bittet Leo Thun auch, einen Teil des Manuskripts zurückzusenden, damit dieses – die Freigabe Thuns vorausgesetzt – gedruckt werden könne. Der Verleger Gerold möchte den ersten Band gesondert herausgeben, was noch binnen dieses Monats geschehen könne. Der zweite Band würde dann im Dezember nachfolgen. Kink bittet Thun auch um Auskunft darüber, was mit dem Kapitel über die Reformversuche vor 1848 geschehen solle. Er selbst ist für die Beibehaltung des Kapitels, denn so könne verdeutlicht werden, dass das vormärzliche System für großen Unmut gesorgt hatte. Kink erwähnt schließlich, dass ein Teil dieses Kapitels von Alois Flir stamme. Dieser hatte jedoch seine Zustimmung dazu erteilt, dass Kink es unter seinem eigenem Namen veröffentliche.

Beilagen, Anmerkungen

Unter dieser Signatur befinden sich weitere vier Briefe Kinks, die dieselbe Angelegenheit betreffen:
Rudolf Kink an Leo Thun. Wien, 20. September 1853.
Rudolf Kink an Leo Thun. Wien, 26. September 1853.
Rudolf Kink an Leo Thun. Wien, 27. September 1853.
Rudolf Kink an Leo Thun. Wien, 6. Oktober 1853.

Schlagwörter
Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
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Transkription

    Übermorgen, 22. September, wird die letzte Sendung von hier abgehen und es kann mit dem definitiven Abdrucke sogleich begonnen werden, sobald Euer Excellenz durch Ertheilung des Imprimatur den Auftrag dazu geben werden.
    Bei diesem Anlasse erlaube ich mir die zwar zudringliche, doch durch die Umstände mir auferlegte Bitte um ehebaldige Rückstellung eines Theils des weitern Manuscriptes der Universitätsgeschichte. Gerold ist nicht abgeneigt den I. Band sammt Beilagen1 separat auszugeben, was noch im Laufe des kommenden Monates stattfinden könnte. Der II. Band (das Statutenbuch) würde dann im December nachfolgen. Ich glaube, man sollte dieses annehmen, weil dann das Buch, auch in Betreff der Reformen des Universitätswesens, für welche es doch einige Beiträge vom historischen Standpuncte aus liefert, zur rechten Zeit erschiene.
    Herr Ministerialrath Tomaschek sagte mir, daß Euer Excellenz die in der letzten Abtheilung meiner Arbeit vorkommenden Reformanträge vor 1848 weggelassen wünschen. Ich bitte daher um die betreffende Weisung, damit ich dem „vierten Buche“, dessen Anfang nächstens zum Drucke kommt, die richtige Zeiteintheilung sammt Titel voranstellen kann.
    Ich für meinen Theil wäre allerdings für die Beibehaltung, theils weil die Aufzählung dieser Reformanträge sich in kein Raisonement einläßt und daher, wie ich glaube, wirklich nur historische Andeutungen enthält, theils aber, weil der Organismus es wirklich verlangt, daß man zeige, wie die aus dem Josephinismus hervorgegangenen Zustände den Keim der Selbstauflösung, und zwar sogar in jenen Organen, bei denen man es am wenigsten vermuthen sollte, in sich trug. Würde man mit den definitiven Studienplänen der Francisceischen Zeit abschließen und weiter nichts mehr dazu sagen, so käme es so heraus, als ob man sich dabei ganz wohl befunden, einen Trieb zu Änderungen die ganze Zeit über nicht verspürt, ja an den nunmehr wirklich darin vorgenommenen Änderungen einen unberechtigten Eingriff, eine Aufstörung aus wohlbegründeten Zuständen zu befahren gehabt hätte.
    Ich hatte früher vergessen zu bemerken, daß die Abfassung dieses Theils (beziehungsweise des „zweiten Anhanges“ in dem ämtlichen Operate) von Flir und mir zugleich ausgegangen ist. Der bei weitem größere Antheil war aber der Flirs; doch haben wir uns beiderseitig das Recht zuerkannt, das Resultat für unsere Zwecke im eigenen Namen zu benützen, er für seine Ausarbeitung, ich für mein Buch. Da nun der obgenannte „zweite Anhang“, und zwar auf Euer Excellenz Befehl, ohnedies bedeutend gekürzt worden ist, so dürfte es nach meinem Dafürhalten umso weniger Anstand haben, die Angaben desselben in der Universitätsgeschichte beizubehalten. Auch wäre es außerdem schwer, einen symmetrischen Abschluß zu finden, denn ich müßte, je nachdem ich von den letzten definitiven Plänen der philosophischen, medicinischen, juridischen oder theologischen Studien spreche, mit den Jahren 1824, 1833, 1810 und gar 1791 enden. Aber eben das durchgängig gemeinsame Streben nach einer andern, bessern Richtung gab der Darstellung die Möglichkeit an die Hand, für alle einen gemeinschaftlichen Endpunct, ein „Aufhören“, welches zugleich ein neues „Anfangen“ war (und alles Aufhören ist ja nichts anderes), zu finden.

    R. Kink

    Am 20. September 1853