Rudolf Kink an Leo Thun
Wien, 23. August 1853
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Universität Wien Geschichtswissenschaften

Zur Geschichte der Wiener Universität

Die beiliegenden zwei Hefte1 ergänzen die I. Abtheilung des IV. Buches. Die nächstfolgende II. (Schluß)Abtheilung hoffe ich in 14 Tagen beendiget zu haben, weil ich glaube, hierin sehr kurz sein zu können und zu müssen.
Denn einerseits sind die nachgefolgten Systeme bis 1848 nur Spielarten des Josefinischen Studiensystems, bemüht unter Festhaltung des obersten Principes den inhärirenden Mängeln desselben zu entkommen, aber doch ihnen immer wieder verfallend, weil die Entschlossenheit, den Grundfehler abzulegen, mangelte.
Andererseits ist das Wirken einer nächstvergangenen Generation immer ein mißlicher, in der Regel mit Recht zurückgewiesener Stoff für eine ernste Geschichtsschreibung. Ich werde daher nur die Hauptgrundzüge der verschiedenen Experimente im höhern Studienwesen berühren und daran eine kurze Übersicht der Reformversuche vor 1848 reihen, welche freilich an die Fabel vom Strauß erinnern, der so oft ankündete, daß er nun fliegen werde, dabei aber doch sachte auf dem Erdboden verblieben ist.
Ich glaube dadurch, der von Euer Excellenz mir gestellten Aufgabe am besten zu entsprechen.
Was den Fortgang der Drucklegung betrifft, so ist dieselbe so weit vorgeschritten, daß binnen drei Wochen das I., II. und III. Buch, das ist das gesammte Manuskript ausschließlich desjenigen, welches in Euer Excellenz Händen sich befindet, gedruckt sein wird; indem Gerold die Vertragsbedingungen überbietet und statt 3, 4-5 Bogen wöchentlich fertig bringt. Bis jetzt liegen 24 Druckbogen (14 Bogen Text und Anmerkungen, 10 Bogen Beilagen) bereit.

Kink

Am 23. August 1853