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Dokument Anton Jaksch an Leo Thun
Prag, 16. Juli 1854
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D267
Regest

Der Vorstand der Klinik in Prag, Anton Jaksch, teilt dem Minister seine Ansichten zur Reform des österreichischen Studienwesens mit. Zunächst geht er jedoch auf das Projekt der Schaffung einer zweiten medizinischen Klinik in Prag ein. Der Professor empfindet diesen Schritt als persönliche Herabsetzung seiner Person und sieht keine Notwendigkeit für einen zweiten Professor in seinem Fach. Die Zahl der Studenten habe seit Jahren kontinuierlich abgenommen und auch in Zukunft werde das Josephinum in Wien Studenten aus Prag abziehen. Jaksch versichert Thun, dass er stets sein Bestes gebe, auch wenn er nicht jedes Jahr einen fachwissenschaftlichen Aufsatz oder ein Buch veröffentliche. Er sehe sich nämlich vorwiegend als Lehrer. Jaksch schreibt weiter, dass er stattdessen für seine Studenten ein Manuskript verfasst habe, das er ständig verbessere. Außerdem bringe er sich stets auf den neuesten Stand der Wissenschaft und biete jährlich wechselnde Spezialkollegien an. Zudem verwende er viel Zeit auf die Korrektur der Arbeiten seiner Studenten und rege sie so zu Fleiß an. Durch seine Methode und die Strenge der Prüfungen glaubt er auch den schädlichen Einfluss der Lernfreiheit etwas abmildern zu können. Sein Ziel sei es, die Studenten zu dem Staat nützlichen Ärzten auszubilden, und die meisten Studenten fügten sich auch seiner Strenge. Wenn er jedoch einen Konkurrenten in seinem Fach hätte, dann würden viele Studenten seine Kollegien umgehen. Schließlich spricht er sich prinzipiell gegen die Lehr- und Lernfreiheit aus und hofft, dass Thun seine Kritik günstig aufnehme. Aus der Sicht Jakschs sei die Konkurrenz unter den Professoren weder gut für Studenten noch für die Wissenschaft, denn aus seiner Sicht komme es nicht auf die Menge der Professoren, sondern auf deren Qualität an. Viele Studenten, so glaubt er, könnten von selbst nicht den richtigen Lehrer wählen und würden daher nur zu oft nicht den tüchtigsten oder besten, sondern den wählen, der die Studenten am wenigsten fordere. Er verweist dabei auf die Gedanken Wilhelm Heinrich Riehls und befürchtet, die Universitäten würden ein wissenschaftliches Proletariat hervorbringen, das gefährlich für den Staat werden könnte. Der Staat müsse die Professoren daher streng überwachen, denn zu große Freiheit führe aus seiner Sicht bloß ins Verderben. Außerdem glaubt er, dass der Zugang zur Professur in Österreich zu einfach sei, er würde daher die öffentlichen Konkurse wieder einführen. Schließlich äußert er sich kritisch über die Kollegiengelder.

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Transkription

    Euer Excellenz!

    Die Wiedereinführung der 2. medicinischen Klinik in Prag und die Art und Weise, wie der dießfällige hohe Auftrag ertheilt wurde, müssen grade bei denen, welche die Verhältnisse kennen, die Überzeugung rege machen, daß im hohen Ministerium entweder gegen mein Wissen und mein Lehrtalent und meinen Lehreifer Zweifel obwalten. Obgleich ich selbst dies kaum glauben kann, so fühle ich mich dennoch aufgefordert, zu meiner Rechtfertigung diese Zeilen Euerer Excellenz zu unterbreiten.
    Die Zuhörerzahl kann es nicht seyn, die Euer Excellenz hiezu bestimmt hat, denn diese war im 1. Semester 122, im 2. 77 mit Einschluß der Ausländer. Bliebe die Zahl dieselbe, so wäre gegen eine zweite Professur in demselben Fache nichts einzuwenden, allein sie sank durch den Abgang der Chirurgen, die den Doktorsgrad anstreben, vom 1. Semester bis zum 2. um 45 und muß im nächsten Jahre unter 50 sinken, weil diese Kathegorie von Schülern ganz wegfällt. Für 50 bis 60 Hörer jedoch ist ein klinischer Lehrer vollkommen ausreichend, umso mehr, da ja dieselbe Zuhörerzahl in der praktischen Chirurgie besteht, in welcher der Unterricht wegen des Einübens operativer Handgriffe viel schwerer ist. Übrigens werden die Vortheile, die höchsten Ortes den Studierenden an der Josephsakademie geboten werden, die größte Zahl der Mediciner dahin ableiten, und ich glaube nicht zu irren, wenn ich behaupte, daß in wenigen Jahren die Zahl der in Prag die praktische Medicin Studierenden auf 20, ja vielleicht darunter sinken werde. Auf eine größere Zahl von Ausländern ist hier in Prag nicht zu rechnen; denn, obgleich bei weitem mehr als 20 in diesem Semester meine Klinik besuchen, und zwar durch Wochen und Monate, so haben sich doch nur 9 als ordentliche Hörer einschreiben lassen, die anderen finden es bequemer, wenn sie kommen und gehen, ohne sich auch nur bei mir zu melden.
    Verzeihlich ist daher meine Besorgniß, daß Euer Excellenz der Ansicht sind, ich sey in meinem Fache unthätig und brauche einen Sporn, und dieß umso mehr, als auch der Schein gegen mich spricht, da ich nicht, wie so mancher meiner Collegen, alljährlich ein Buch und sonstige schriftstellerische Arbeiten veröffentliche. Allein Euer Excellenz mögen bedenken, daß ich zunächst für meine Schüler zu wirken habe und diese Pflicht für die erste und höchste halte, der ich, ich kann es vor Gott sagen, gewissenhaft nachgekommen bin. Ich habe bereits in den Jahren 1850–51–52 für meine Schüler eine Explication von mehr als 300 Bögen zusammengeschrieben und vorgetragen; daß ich jedoch zur Herausgabe eines Lehrbuches, das nicht, wie eine Explikation sich alljährlich korrigiren und rektificiren läßt, in einer Wissenschaft, die das Wohl und Wehe der Menschheit betrifft, gereifte Erfahrungen abwarte, dürfte mir nicht zum Vorwurfe gereichen. Euer Excellenz mögen überzeugt seyn, daß ich sicher auch diese Aufgabe lösen werde, wenn ich es an der Zeit halte.
    Seitdem auch bearbeite ich jedes Jahr einen neuen Abschnitt meiner Wissenschaft, den ich zur allseitigen Bildung meiner Schüler vortrage; so hielt ich im vorigen und vorvorigen Jahre Vorträge über medicinische Geographie, die Krankheitsverbreitung über den Erdball und die bisher nachweisbaren Gesetze hiefür; ferner über die wichtigsten epidemischen Krankheiten, ihre Geschichte, Entstehung, Wesen usw.; Vorträge die, wenn sie auch nur 1–2mal wöchentlich gehalten wurden, doch alle meine freie Zeit absorbirten, wenn ich das so große für eine kurze Arbeit zu Gebote stehende Material erschöpfen wollte. So habe ich fürs nächste Semester Vorträge über die Größen in meiner Wissenschaft aus den verschiedenen Zeitaltern, zunächst über Morgagni angekündigt. Es ist eine tüchtige Aufgabe, das große Werk und den Geist dieses Mannes in etwa 30 Vorlesungen zu bringen, doch ich hoffe es zu bewerkstelligen und damit die in der Jugend so sehr erloschene Ehrfurcht vor dem Alten wieder zu wecken; überdieß will ich meine Hörer zwingen, lateinisch verstehen und sprechen zu lernen, denn wahr ist es, daß ich nur selten von Studierenden, die ich am Krankenbette lateinisch anrede, z.B. bei Stellung der Prognose, überhaupt eine lateinische Antwort, umso weniger eine gute erhalte. Bedenken Euer Excellenz ferner, daß ich auch sonst meine freie Zeit den Studierenden widme, indem ich jedes Einzelnen Arbeiten, i.e. Krankengeschichten, durchgehe, korrige [sic!], lobe, tadle, als unbrauchbar zurückweise und umarbeiten lasse, um hiedurch, wenn es noch möglich ist, ihren Fleiß und ihren Ehrgeiz zu wecken. Wie sehr ich durch diese Maßregel und die examinatorische Methode am Krankenbette den großen Nachtheilen der Lernfreiheit gesteuert, den Eifer bei vielen geweckt, wieder Ordnung und Genauigkeit in ihre Arbeiten gebracht habe, darüber authentische Belege zu erhalten, dürfte Euerer Excellenz nicht schwer seyn. Hiedurch wird es erklärlich, warum die Schüler der praktischen Medicin nicht selten wieder Anatomie usw. betreiben, weil sie da erst die Nothwendigkeit fühlen, in diesen Fächern gründliche Kenntnisse zu haben, und leider zu spät bereuen, in den ersten Jahren der Medicin nicht fleißiger gewesen zu seyn. Ich gestehe Euerer Excellenz, daß ich in diesem Jahre mit Freude Lehrer war und nur deshalb kaum erholt von meiner schweren Krankheit, auf die Gefahr eines Nachübels hin, die Klinik wieder übernommen habe. Mit einiger Freude sah ich die Schüler sich willig meinen Maßregeln fügen, die sie zu brauchbaren, dem Staate nützlichen Ärzten machen sollen, und wenn ich auch hie und da auf Renitenz stieß, so vermochte ich diese leicht zu beseitigen, da keine Möglichkeit bestand, mich, den für den klinischen Unterricht allein Verantwortlichen, zu umgehen. Soll ich nun im künftigen Jahre deshalb, weil ich einen Rivalen habe, abgehen von dem eingeschlagenen Wege der Strenge und Ordnung, überhaupt abgehen von dem, was ich für gut und segensreich halte und an den Studierenden bereits erprobt habe, soll ich vielleicht durch Nachsicht und Leichtfertigkeit um die Gunst der Schüler buhlen?
    Nimmer werde ich das, eher trete ich von dem Lehrfache zurück. Daß diese Angaben nicht übertrieben und aus der Luft gegriffen seyen, davon kann ich Euer Excellenz durch einen von Prag aus geschriebenen Artikel im „Gränzboten“ überzeugen, in dem meine ehrliche Pflichterfüllung als Quälerei der Studenten geschildert ist. Es ist wohl das erste Mal in meinem Leben, daß ich meiner höchsten Instanz gegenüber mein Wirken hervorhebe, doch ich war durch das Mißtrauensvotum, das in der Maßnahme eines hohen Ministeriums liegt, dazu gezwungen. Ich habe Grund zu glauben, daß Euer Excellenz bei der seltenen Gewissenhaftigkeit, die ich übrigens nur bewundern kann, auch in dieser Sache das Urtheil unpartheiischer Männer eingeholt haben und entweder auf Unkenntniß der Verhältnisse oder auf einen persönlichen Widerwillen gegen mich gestoßen sind; denn wie [ich] hier bei meinen Collegen mit Ausnahme weniger stehe, werden Euer Excellenz am besten daraus ersehen haben, daß wohl Hamernjk noch nie, aber ich die zu irgendeiner akademischen Würde erforderlichen Stimmen erhielt. Daß ich und mein Thun und Lassen hieran nicht schuld sind, dessen bin ich mir bewußt. So viel zu meiner Rechtfertigung! Wenn ich noch einige Bemerkungen über die Lehr- und Lernfreiheit im Allgemeinen beifüge, so geschieht dieß deshalb, weil ich es itzt, wo es sich um die definitive Regelung der Universitäten handelt, für die Pflicht eines jeden Sachkundigen halte die Wahrheit zu sagen, und weil ich glaube, es werde Euerer Excellenz nicht unangenehm seyn auch Stimmen gegen das, für was Euere Excellenz in die Schranken treten, zu vernehmen, umso mehr, da aus leicht begreiflichen Gründen auf ämtlichem Wege nur wenige den Ansichten Euerer Excellenz entgegenstehende Äußerungen einlaufen dürften, die nächsten Rathgeber Euerer Excellenz nicht die gehörige Erfahrung haben können und der Weg der Presse mir da, wo man direkt das Gute fördern kann, unehrenhaft vorkommt. Daß die Conkurrenz mehrerer gleichberechtigter Professoren in demselben Fache und an derselben Universität weder den Lehrern noch Schülern heilsam sey, ist eine Thatsache, die niemand in Abrede stellen kann, der diesfalls, wie ich, im In- und Auslande die alten und neuen Erfahrungen gesammelt hat. Ich zweifle, daß Euer Excellenz in Wien, wo doch die doppelte Vertretung meines Faches durch die große Schülerzahl geboten ist, den angestrebten Zweck erreicht haben, ich bin vielmehr der Überzeugung, daß das Wirken beider an sich ausgezeichneten Männer fruchtbringender seyn würde, wenn sie, ohne sich Rivalen zu seyn und Partheien hinter sich zu haben, mit Lust und Liebe lehren könnten, wie es bei einem Stoll, de Haen, Frank der Fall war.
    Nicht die Menge der Lehrer in einem Fache nützt dem Schüler, im Gegentheile, sie macht ihn häufig nachlässig und bringt ihn auf Abwege; wenn für die Summe, die diese 2–3 Männer kosten, eine Notabilität gewonnen würde und dieß wäre durch die Addition der Gehalte möglich, so erwüchse hieraus für die Schüler ein größerer Nutzen. Jeder in seinem Fache in der That ausgezeichnete Mann kann nicht anders, als Enthusiast für dasselbe seyn, ein solcher allein reißt die Schüler mit sich fort, verpflanzt wieder Lust und Enthusiasmus für sein Fach in dieselben; und anregen, die Richtung geben, für das Fach gewinnen, das ist die Aufgabe des Lehrers; das Selbststudium, die Hauptsache bei jedem Unterrichte, findet sich dann von selbst. Irrig ist es zu glauben, daß der Student sich selbst die Richtung geben und die ihm nothwendigen Lehrer finden werde. Abgesehen davon, daß es übrigens ein Umkehren des natürlichen Verhältnisses des Lehrers zum Schüler ist, i.e. daß der Lehrer vom Schüler abhängig wird, hat derselbe bei der Wahl seiner Lehrer oft ganz andere Rücksichten im Auge, i.e. er sieht, wo er in kürzester Zeit, am billigsten und leichtesten durchkommt, oder erwägt, wer seinem Hange und Geschmacke am meisten huldigt oder sucht den auf, den die Zeitungen am meisten ausposaunen. So kommt es, daß oft die tüchtigsten Professoren einen kleinen Hörerkreis haben, während die leichtfertigen, oberflächlichen von Schülern überschwemmt sind. Das Ausland gibt uns zahlreiche Belege hiefür, die ich in meiner Wissenschaft hie und da zu geben imstande wäre.
    Mir dringt sich von Jahr zu Jahr fester die Überzeugung auf, daß insbesondere die Lernfreiheit und das Schulgeld die Klippen sind, an denen die Tugend der Lehrer und Schüler nach und nach zugrunde geht, und daß Rihl [Riehl] in seinem Werke über die bürgerliche Gesellschaft Recht habe, wenn er den deutschen Universitäten vorwirft und beweist, daß aus denselben ein bis dahin nie bestandenes neues Proletariat, das der Wissenschaft, hervorgegangen sey, das gefährlichste von allen für den Staat und die Gesellschaft, das in den jüngsten Weltereignissen eine so wichtige Rolle gespielt hat, und sie itzt noch spielt in der Presse, die es in Deutschland noch immer zum großen Theile in seinen Händen hat. Ich halte es grade für die höchste Pflicht des Staates, die Lehrer streng zu überwachen, sie ist es, die die Generationen zu dem bildet, was sie einst sind. Der Atheismus, der religiöse Indifferentismus, der Communismus usw. sind einzig durch die sogenannte freie Lehre in Wort und Schrift in die gegenwärtige Generation übergegangen, deshalb bin ich der Meinung, daß ganz besonders die Universitätslehrer in ihrem Wirken streng zu beaufsichtigen und gegen die Pflichtvergessenen, Unfähigen, Trägen mit der größten Schärfe vorzugehen sey. Durch gerechte Strenge allein kann die Tugend der Lehrer und Schüler wachsen, durch Freiheit und Ungebundenheit geht sie, wie jeder Unbefangene aus der fast sechsjährigen Beobachtung an Oesterreichs Universitäten sagen wird, nach und nach verloren. Die Lehr- und Lernfreiheit sind, wie jeder Freigeist nur in der Idee richtig, i.e. unter der Voraussetzung, daß Lehrer und Lernende so sind, wie sie seyn sollen. Allein die Menschen sind überhaupt nur ausnahmsweise so, wie sie seyn sollen.
    Bei dem Congresse der deutschen Universitätslehrer in Jena im Jahre 1849 [sic!], dem von Wien aus die Professoren Scheiner und Haeusle beiwohnten, wurde, wenn ich nicht irre, gleichfalls einstimmig die Lehr- und Lernfreiheit als das Grab der Wissenschaft anerkannt. In Dänemark wurde in demselben Jahre die Lehr- und Lernfreiheit wieder abgeschafft. In Paris sah ich im Jahre 1852 mit Vergnügen, daß die Universitätsschüler öffentlich geprüft werden. Desgleichen schien mir dort die Art und Weise, wie man Universitätslehrer wird, zweckmäßiger als bei uns und deshalb nachahmenswerth, nämlich: durch einen öffentlichen Conkurs vor einer wissenschaftlichen Jury. Leicht wird man bei uns Docent, noch leichter nach drei Jahren außerordentlicher, und wenn es gut geht, ebenso leicht ordentlicher Professor. Ist es da zu wundern, wenn häufig Mittelmäßigkeiten auf die Lehrstühle gelangen. Man lasse alle, die sich einem Fache gewachsen fühlen, abgesehen davon, ob sie Docenten oder außerordentliche Professoren sind oder nicht, auf den Kampfplatz treten und durch ihre Leistungen vor einer strengen Jury öffentlich entscheiden, wer der Tüchtigste sey. Die Berufung sollte nur ganz ausnahmsweise bei allgemein anerkannten Celebritäten in einem Fache in Anwendung kommen. Mit Vergnügen denke ich daran, daß ich unter 13 Mitbewerbern einzig durch meine Konkursarbeit Professor geworden bin; bei meiner Art zu denken und handeln, dürfte ich gegenwärtig kaum zu diesem Ziele gelangt seyn.
    Was schließlich das Schulgeld betrifft, so hat es auch bereits in Oesterreich zur Koursgeberei, zu collegiis privatis und privatissimis, kurz, wie im Auslande, zu einer Spekulation auf den Säckel der Studierenden geführt. Jeder Lehrer ist verpflichtet, alles, was er weiß, ohne Rücksicht auf Honorar seinen Schülern mitzutheilen, insofern es zu ihrer Ausbildung nothwendig ist.
    Ich schließe mit der Bitte, daß Euere Excellenz meine freimüthigen Äußerungen nicht übel deuten; sie gingen aus meiner innersten Überzeugung hervor, die ich auf jede mögliche Weise durch Thatsachen zu begründen bemüht war, so z.B. durch mündliche und schriftliche Schilderungen des Studentenlebens seit dem Bestehen der Lehr- und Lernfreiheit von Seite meiner Assistenten und besseren Schüler.
    Mit Hochachtung und Verehrung und der nochmaligen Bitte, daß Euere Excellenz die Gnade haben mögen mich bezüglich des Mißtrauensvotums, das in der eingangserwähnten Maßregel liegt, aufzuklären und zu beruhigen, zeichnet sich Euerer Excellenz

    unterthänigster
    Jaksch

    Prag, den 16. Juli 1854