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Dokument Constantin Höfler an Leo Thun
Prag, 18. Februar 1854
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D255
Regest

Der Historiker Constantin Höfler informiert den Minister über die Leistungen von einigen Lehramtskandidaten, die kürzlich von der Prüfungskommission in Prag geprüft worden sind. Unter den Geprüften ragen besonders Anton Zeithammer und Dionys Grün hervor. Höfler ist überzeugt, dass beide hervorragende Lehrer abgeben würden, allerdings bittet er Leo Thun, den beiden genannten Kandidaten ein Reisestipendium nach Berlin zu gewähren. Dort könnten die Studenten nämlich bei Carl Ritter studieren und dessen Methoden vor Ort kennenlernen und diese dann nach Österreich importieren. Zuletzt spricht sich Höfler lobend über die Lehramtsprüfungen aus und bezeichnet sie als eine gute Möglichkeit, dass sich junge Männer auszeichnen können.

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Transkription

    Euer Excellenz!
    Hochgeborener Herr Graf!
    Hochgebietender Herr Staatsminister!

    Der besonders glückliche Ausgang der letzten Prüfung der Lehramtscandidaten für Geschichte ermächtigt mich in dem Interesse der Wissenschaft mich an Euer Excellenz gnädigste Fürsorge zu wenden und, soweit ich es wagen darf, Hochdenselben das Geschick des einen oder anderen zu gnädigster Berücksichtigung zu empfehlen.
    Es befinden sich unter den Candidaten, welche Prof. Tomek und ich examinirten, Dionys Grün, dem wir in jener vollen Übereinstimmung, welche überhaupt unter uns herrscht, die Note der Auszeichnung, und Anton Zeithammer, Sohn des k.k. Schulrathes, dem wir für sein frisches wissenschaftliches Streben besondere Anerkennung zukommen ließen. Ersterer, von welchem Prof. Tomek urtheilte, er würde jedem Gymnasium zur Zierde gereichen und dessen mündlicher Vortrag so ausgezeichnet war, daß Tomek und Zimmermann ihm öffentlich erklärten, sie bedauerten, daß die gesetzliche Frist nicht gestatte, ihm länger zuzuhören, befindet sich in sehr mißlichen Verhältnissen, während es doch in hohem Grade wünschenswerth wäre, daß ihm Gelegenheit gegeben würde, sich in der Geschichte noch weiter auszubilden. Ich weiß nun nicht, ob ich unter Berufung auf die erwähnten Zeugnisse, denen ich das gleiche des Herrn Generalgroßmeisters beigesellen kann, Euer Excellenz bitten darf, dem Lehramtscandidaten Dionys Grün bis zur Erlangung einer Anstellung eine Unterstützung zu seiner weiteren Ausbildung gnädigst gewähren zu wollen.
    Da es aber in der Natur der Bitten liegt, nicht allein, sondern in Gesellschaft zu erscheinen, erlaube ich mir Euer Excellenz in Betreff des Anton Zeithammer mit einer anderen unterthänigen Bitte zu belästigen. Der berühmte Geograph Ritter liest im nächsten Semester über Geographie von Europa. Euer Excellenz wissen nun am Besten zu würdigen, daß eine gute Methode das Vortrefflichste ist, was ein Schüler von seinem Lehrer lernen kann; daß diese sich nur aus dem mündlichen Vortrage nicht aus den Schriften lernen läßt, für die österreichischen Schulen aber wohl in hohem Grade zu wünschen wäre, daß die Rittersche Methode durch Schüler des Meisters selbst in die Schulen hinüber geleitet werden möchte. Euer Excellenz ersehen, wohin die Spitze meines unmaßgeblichen Gesuches geht. Anton Zeithammer ist sehr frisch und strebsam, eifrig und fleißig, von seinem Talente, von seinem Fleiße wie von seinen Gesinnungen das Schönste zu hoffen; ein Reisestipendium, welches ihm die Gnade Euer Excellenz verschaffen würde, würde für die Unterrichtsanstalten, an welchen Zeithammer einst zu wirken hätte, überreiche Zinsen tragen.
    Mögen mir Euer Excellenz nicht zürnen, daß ich es wagte, Euer Excellenz mit diesen Bitten zu behelligen! Allein mir sind die Candidaten, welche sich durch besonderen Fleiß und besondere Kenntnisse bemerkbar machen, so in das Herz gewachsen, daß ich sie wie meine eigenen Kinder betrachte; nichts anderes als dieses Gefühl und die gewonnene wissenschaftliche Überzeugung von der Brauchbarkeit und Tüchtigkeit der unmaßgeblich Empfohlenen haben mir den Muth gegeben, mich geradezu an die Gnade Euer Excellenz zu wenden. Das schwierige Examen der Lehramtscandidaten bringt bei besten Talenten und edleren Naturen einen eigenen geistigen Durchbruch zustande; sie müssen ihr Wissen concentriren, um gehörig davon Rechenschaft geben zu können; sie lernen die Lücken kennen und die Begierde sie auszufüllen steigert sich mit dieser Erkenntniß. Ihnen in diesem moralisch und scientifisch entscheidenden Lebensmomente Gelegenheit zu verschaffen sich weiter auszubilden, halte ich für ungemeinen Gewinn. Die Professoren der Physik, Astronomie etc. haben Adjuncten, wodurch es tüchtigen jungen Leuten möglich wird sich in diesen Fächern noch weiter auszubilden. In der Geschichte und Geographie ist Vorbereitung, ehe man zum Lehren kommt, gewiß ebenso nothwendig wie bei den erwähnten Fächern; ja das Quellenstudium erfordert vielleicht eine noch größere. Wir haben in Prag kein historisches Seminar; umso entschuldbarer dürfte daher ein Gesuch sein, das nach dem wissenschaftlichen Standpunkte und den Bedürfnissen zweier junger Männer eingerichtet ist, von denen Euer Excellenz gewiß Dank und Freude erleben werden.
    Ich habe die Ehre zu verharren in unterthänigster Ehrerbietung
    Euer Excellenz

    unterhänigst gehorsamster Diener
    Constantin Höfler

    Prag, 18. Februar 1854