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Dokument Otto Hingenau an Leo Thun
o. O., 11. Mai 1860
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D583
Regest

Der Professor für Bergrecht an der Universität Wien, Otto Hingenau, übersendet dem Minister zwei Veröffentlichungen zur Ansicht. Eine davon behandelt die Geschichte der Geologischen Reichsanstalt, die andere beinhaltet die Arbeiten des Laboratoriums der Anstalt. Hingenau regt außerdem an, die Geologische Reichsanstalt als Ausbildungsstätte für den Bergbau zu gestalten. Damit könnte man die Verteilung auf die bisherigen Bergakademien zentralisieren und bei der angespannten Finanzsituation der Monarchie einiges an Geld sparen. Außerdem verweist Hingenau darauf, dass auch in anderen Ländern ähnlich vorgegangen werde.

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Transkription

    Euere Excellenz!

    Ich erlaube mir 2 Separathefte zu übersenden, deren eines, „Ansprache etc.“ betitelt, die Gesammtübersicht der Entstehung, Einrichtung und der Leistungen der geologischen Reichsanstalt gibt, worin ich zur Erleichterung für Euerer Excellenz Durchsicht einige Merkzeichen und Röthelstriche zu machen mir erlaubte, – das zweite, „Chemische Analysen“ überschrieben, die Arbeiten des Laboratoriums der Anstalt enthält.
    Zugleich kann ich nicht umhin zu bemerken, daß wenn man schon sparen will, die Benützung der geologischen Reichsanstalt als Vorbereitungsschule für den Bergbau – als eine Art Bergakademie jetzt nahe läge; man könnte in Schemnitz und Pribram und Leoben allenfalls einen praktischen Curs als Schluß der Ausbildung lassen; jeder der Hauptmitglieder der Reichsanstalt Hauer (beide, der Bergrath und der Chemiker), Fötterle, Stur u. a. sind vollkommen zu Vorträgen befähigt (Stur nebenbei sehr guter Botaniker, wäre überhaupt ein guter Professor zumal er auch slavisch vortragen kann, wo es nöthig wäre) – die mechanischen und mathematischen Fächer am Polytechnikum, Bergrecht und Nationalökonomie durch mich versehen, hätte man die 3 ersten Jahre der bergmännischen Ausbildung in Wien, für die geologischen Aufnamen etwa July, August und September jährlich und gar nicht einmal die Hälfte der Kosten, welche jetzt die Vorbereitung und jene Fächer an der Bergakademie kosten, welche nicht nothwendig am Bergwerk studirt oder geübt zu werden pflegen. In Berlin macht man etwas Ähnliches, in London hat man es länger schon gethan; in Paris ist die geologische Aufname mit der École centrale des Mines vereinigt!
    Es wäre nur von Anregung, um der Unausführbarkeit einer administrativen Function der Academie vielleicht zuvorzukommen und ein Fiasco zu vermeiden.

    Euer Excellenz

    treu ergebenster
    Otto Hingenau

    11. Mai [1]860