Otto Hingenau an Leo Thun
o. O., 11. Mai 1860
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Geologische Reichsanstalt Bergbau

Euere Excellenz!

Ich erlaube mir 2 Separathefte zu übersenden, deren eines, „Ansprache etc.“ betitelt, die Gesammtübersicht der Entstehung, Einrichtung und der Leistungen der geologischen Reichsanstalt gibt, worin ich zur Erleichterung für Euerer Excellenz Durchsicht einige Merkzeichen und Röthelstriche zu machen mir erlaubte, – das zweite, „Chemische Analysen“ überschrieben, die Arbeiten des Laboratoriums der Anstalt enthält.
Zugleich kann ich nicht umhin zu bemerken, daß wenn man schon sparen will, die Benützung der geologischen Reichsanstalt als Vorbereitungsschule für den Bergbau – als eine Art Bergakademie jetzt nahe läge; man könnte in Schemnitz und Pribram und Leoben allenfalls einen praktischen Curs als Schluß der Ausbildung lassen; jeder der Hauptmitglieder der Reichsanstalt Hauer (beide, der Bergrath und der Chemiker), Fötterle, Stur u. a. sind vollkommen zu Vorträgen befähigt (Stur nebenbei sehr guter Botaniker, wäre überhaupt ein guter Professor zumal er auch slavisch vortragen kann, wo es nöthig wäre) – die mechanischen und mathematischen Fächer am Polytechnikum, Bergrecht und Nationalökonomie durch mich versehen, hätte man die 3 ersten Jahre der bergmännischen Ausbildung in Wien, für die geologischen Aufnamen etwa July, August und September jährlich und gar nicht einmal die Hälfte der Kosten, welche jetzt die Vorbereitung und jene Fächer an der Bergakademie kosten, welche nicht nothwendig am Bergwerk studirt oder geübt zu werden pflegen. In Berlin macht man etwas Ähnliches, in London hat man es länger schon gethan; in Paris ist die geologische Aufname mit der École centrale des Mines vereinigt!
Es wäre nur von Anregung, um der Unausführbarkeit einer administrativen Function der Academie vielleicht zuvorzukommen und ein Fiasco zu vermeiden.

Euer Excellenz

treu ergebenster
Otto Hingenau

11. Mai [1]860