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Dokument Alexander Helfert an Leo Thun
Wien, 17. September 1853
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D233
Regest

Unterstaatssekretär Joseph Alexander Helfert berichtet Leo Thun von einem Konflikt mit der Redaktion der Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien. Diese hatte eine negative Rezension der tschechischen Ausgabe von Václav Tomeks Schulbuch veröffentlicht. Das Schulbuch sollte jedoch als offizielles Lehrbuch empfohlen werden. Helfert versichert Thun nun, die Beteiligten ausfindig zu machen und eine Gegenbesprechung ausarbeiten zu lassen. Diese soll dann ebenfalls in der Gymnasialzeitschrift erscheinen. Helfert hofft, dass Thun mit diesem Vorschlag einverstanden ist. Helfert teilt dem Minister außerdem mit, dass er eine offizielle Berichtigung eines Artikels der Medizinzeitschrift in die Wege geleitet habe. Abschließend weist er Thun noch auf einige andere Zeitungsartikel hin.

Beilagen, Anmerkungen

Verweis auf A3 XXI D232.

Verweis auf A3 XXI D235.

Verweis auf A3 XXI D237.

Schlagwörter
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Transkription

    Euer Excellenz!

    Ich hatte mir gerade das Heft der Gymnasialzeitschrift und das Concept des Erlasses, welchen ich diesfalls an die Redaction um deren Rechtfertigung wegen Außerachtlassung der ihr mit Erlaß Eurer Exzellenz vom (?) Februar 1850 auferlegten Verbindlichkeit ergehen ließ, zur geneigten Kenntnisnahme zurecht gelegt, als das verehrte Schreiben samt Zulage für Mozart ankam.
    Für die Vorbereitung einer Gegenbesprechung ist bereits Sorge getragen und ich habe der Redaction zugleich aufgetragen, für die Aufnahme derselben in das nächste Heft Sorge zu tragen, da es mir unumgänglich erscheint, vor demselben Publicum, vor welchem die Blamage geschehen, die Scharte auswetzen zu lassen. Abgesehen davon, daß dies wie gesagt bereits seit mehr als acht Tagen eingeleitet ist, würde ich mir aber jedenfalls gegen die von Eurer Exzellenz aufgezählten Namen unmaßgebliche Einwendungen erlauben, da F.[Feil?], wie mir glaubwürdig hinterbracht wurde, an der Abfassung der Kritik selbst mitgearbeitet hat und K. [Kink?] gewiß mit ihr, wie ich aus andern Prämissen gegründet schließen muß, vollkommen übereinstimmt, und auch Jäger und Wolf gegen die in der Kritik verfochtene Richtung – denn eine solche ist es, aus welcher dieser Aufsatz, die Anmerkungen zu Höflers Besprechung, die Chmelschen Ausfälle gegen meine Schrift und wiederholte Aufsätze im Montagsblatt insgesamt entsprungen sind – nicht offen werden auftreten wollen. Meine bescheidene Meinung geht daher dahin, daß die Gegenbesprechung, zu welcher Tomek selbst die begründenden Motive hergibt, unter Jirečeks Namen in der Gymnasialzeitschrift erscheine.1 Und damit die Redaction nicht direct blosgestellt werde, habe ich mir die Form ausgesonnen, daß diese zweite Besprechung an die inzwischen erst erschienene deutsche Ausgabe des Tomekschen Buches 2 geknüpft werde, wobei gleichsam nur gelegenheitlich und anmerkungsweise die in der Besprechung der böhmischen Ausgabe 3 begangenen Schnitzer reparirt werden. So mir Eure Exzellenz keine andere Weisung zukommen lassen, werde ich in der angedeuteten Art vorgehen.
    Ich habe in der Zwischenzeit auch gegen eine in der Medicinzeitschrift zuerst erschienene und von dieser in andere Blätter (Ostdeutsche Post) übergangene sehr boshaft gefaßte Entstellung eines ministeriellen Erlasses in Betreff einiger Wiener Chirurgen Amt handeln und die offizielle Berichtigung einleiten müssen.
    Hofrath Lewicki war heute bei mir in Angelegenheit seines Bruders des Lehramtscandidaten und ich habe die Gelegenheit benützt, auf die Augsburger Postamtszeitung zu sprechen zu kommen. Da er mir sagte, daß die leiseste Anregung von unserer Seite von der O.P.Z. [Oberpostamtszeitung] sehr bereitwillig aufgegriffen werden würde, so habe ich sogleich die Einleitung getroffen, daß ein entsprechender Erlaß abgefaßt und an die O.P.Z. gerichtet werde.
    Beiliegend folgen4 – da ich wahrnehme, daß Euer Exzellenz ohnedies mit allem sich beschäftigen, was hierorts in der öffentlichen Welt vorgeht – die als selbstständige Broschüre erschienenen Lloydartikel und – als Abkühlungsmittel dagegen – die Nummern des Zuschauers, worin diese Artikel bekämpft werden. Als Einleitung dazu lege ich Nr. 62 derselben Zeitschrift bei, die einen wohl nicht dagewesenen Grad von Unverschämtheit bekundet, indem sie eigentlich besagt: Wir, i.e. Ebersberg et Comp., können die öffentliche Meinung bearbeiten, wir können schreiben und sprechen, um sie gegen Euch zu stimmen; aber Ihr dürft das nicht thun; und ein solches „Treiben“ muß zurückgewiesen werden.
    Genehmigen Eure Exzellenz den Ausdruck meiner ergebensten Verehrung und Hochachtung, womit ich zu zeichnen mir erlaube

    Eurer Exzellenz

    gehorsamster Diener
    Helfert

    Wien, am 17. September 1853