Info

Dokument Joseph Alexander Helfert an Leo Thun
Wien, 23. August 1853
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D226
Regest

Unterstaatssekretär Joseph Alexander Helfert kommt dem Auftrag des Ministers nach, über Julius Galba, der von 1848 bis 1850 als Dozent für Verfassungspolitik an der Universität Wien lehrte, Bericht zu erstatten. Im zweiten Teil des Briefs schlägt Helfert drei Kandidaten für eine nicht näher bezeichnete Stelle im Zivil- und Militärgouvernement in Ungarn vor und bittet Thun diesbezüglich um dessen Weisungen.

Schlagwörter
Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
License eXist-db

Transkription

    Euer Excellenz!

    Galba war vor dem Jahre 1848 im öffentlichen Lehr- und Erziehungsfache angestellt, nämlich als Juristenpräfect in der k.k. Theresianischen Ritterakademie, hat im Jahre 1848, unterm 1. und 12. April vom Minister Sommaruga die Befugnis erhalten, öffentliche Vorträge an der Universität über Verfassungspolitik halten zu dürfen, welche Befugnis ihm mit Ministerialerlaß vom 19. August 1850 Z. 6687 "mit Dispens von einer weitern Probe seiner Befähigung" über die warme Befürwortung des Professorencollegiums und Universitätsconsistoriums auf die Verwaltungspolitik ausgedehnt wurde, worauf aber schon unterm 1. December 1850 24/g.[?] ihm die Befugnis entzogen wurde. Hiermit glaube ich dem diesfälligen mir hinterlassenen Auftrage nachgekommen zu sein.
    Was die Personalvorschläge an das Civil- und Militärgouvernement für Ungarn betrifft, so stellt sich die Sache so, daß die Secretäre einer wie der andere sich für den Antrag unter hundert Entschuldigungen bedanken und ich nehme mir daher die Freiheit, folgende Namen der geneigten Beachtung zu empfehlen und mir die hohe Weisung darüber zu erbitten:
    Dargun, der gewiß lieber nach Ungarn als Statthaltereirath wie nach Galizien ginge und vielfache Geschäftsroutine besitzt;
    Strobach, der bereits in Wien und Agram gedient und sich hiermit mit Rücksicht auf den Umstand, daß er mit dem Bureau des stylistisch gar nicht zu befriedigenden Referenten in jenes des kaum zu befriedigenden kam und trotzdem des letzteren volle Anerkennung sich allmälig zu erringen gewußt hat, einer derartigen Verantwortung kaum in geringeren Grade als Conzipist würdig und vertrauenswerth darstellen dürfte;
    Hermann aus Troppau, Statthaltereiconzipist, bei dem höchstens die noch zu kurze Dienstzeit Bedenken gegen eine so gewaltige Beförderung erregen dürfte.
    Ich erbitte mir die diesmal vergessene hohe Weisung rücksichtlich der Briefschaften. Im Vertrauen auf die im vorigen Jahre erhaltene Ermächtigung habe ich einen von FML Grünne angelangten Brief eröffnet, der den Empfang des Schreibens Eurer Excellenz bestätigt, über den Erfolg der eingelegten Vorstellung aber noch kein Prognosticon stellen zu können sich erklärt.
    Mit den ergebensten Wünschen für das glücklichste Gedeihen der angetretenen Badesaison erlaube ich mir mich zu zeichnen

    Eurer Excellenz

    gehorsamster Diener
    Helfert

    Wien, am 23. August 1853