Georg Haulik an Leo Thun
Agram, 13. November 1860
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Ministerium für Kultus und Unterricht Entlassung Thuns

Euer Exzellenz!

Ohngeachtet der zu wiederholten Malen auftauchenden Gerüchte betreff Rücktrittes Euerer Exzellenz vom hohen k.k. Ministerium hoffte ich noch immer, sammt allen wahren Verehrern Hochderselben, daß sich dies Gerücht, wie so manches andere, unbegründet erweisen werde. Leider hat es sich bewahrheitet und die österreichische Kirche ist der weisen, wohlwollenden und segensreichen Vertrettung ihrer Angelegenheiten bei unserer allerhöchsten Regierung durch Euer Exzellenz, verlustig geworden. Unter der Leitung Euerer Exzellenz ist der katholischen Kirche in Oesterreich ihre Freiheit wieder geworden. Sie wurde von Euer Exzellenz stets mit wahrer Pietät und allen Rücksichten der Humanität behandelt; sie hat unzählige Wohlthaten Hochderselben zu verdanken. Namentlich ist das Agramer Bisthum und bin ich persönlich Euerer Exzellenz zur größten Dankbarkeit verbunden. Denn jenes wurde mittelst gütiger Mitwirkung Euerer Exzellenz zum Erzbisthume erhoben und mir wurden durch Hochdero wohlwollenden Verwendung große, nie geahnte Beweise der allerhöchsten Gnade Seiner k.k. apostolischen Majestät zu Theil.
Ich hielt es für eine meiner heiligsten Pflichten, bei dem für alle Gutgesinnten so traurigen Rücktritte Euerer Exzellenz, diesen wahrhaft innigen Gefühlen meines Herzens den gegenwärtigen schwachen Ausdruck zu leihen und Euerer Exzellenz für alle mir, meiner Diözese und der ganzen katholischen Kirche erwiesnen Wohltaten meinen tiefsten aufrichtigsten Dank darzubringen.
Ich erlaube mir nur noch beizufügen, daß der Name Euerer Exzellenz in die Annalen der Kirche Oesterreichs und insbesondere Kroatiens mit unauslöschlichen Buchstaben eingezeichnet ist und immerdar verbleiben wird.
Genehmigen Euer Exzellenz diesen Ausdruck jener tiefen Hochachtung, mit der ich geharre

Hochderselben
ergebenster Diener
Georg Card. Haulik
Agramer Erzbischof

Agram, den 13. November 1860