Info

Dokument Adalbert Fuchs an Leo Thun
Wien, 8. April 1853
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D198
Regest

Adalbert Fuchs, Professor am Polytechnikum in Wien, bittet um Einrichtung eines Laboratoriums für seinen Lehrstuhl der Landwirtschaft. Fuchs erklärt, dass ihm die dazu nötige Sonderdotation zwar bereits vor zwei Jahren zugesichert worden sei und er außerdem bereits einen Plan für das Laboratorium vorgelegt habe, allerdings sei mit dem Bau des Labors noch nicht begonnen worden. Fuchs betont dann, wie wichtig das Labor für den Unterricht sei, denn er ist überzeugt, dass sein Fach nur mit einem Bezug zur Praxis richtig und gewinnbringend gelehrt werden könne. Er erklärt das auch mit den jüngsten Entwicklungen in der landwirtschaftlichen Forschung und dem gesteigerten Einfluss der Chemie für die Landwirtschaft. Zusätzlich zur Einrichtung eines Laboratoriums wünscht sich Fuchs einen Assistenten, der ihn unterstützen und im Krankheitsfall vertreten könne.

Schlagwörter
Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
License eXist-db

Transkription

    Eure Excellenz!

    Vor drei Jahren übernahm der gehorsamst Gefertigte die durch Eure Excellenz ins Leben gerufene Lehrkanzel der Landwirthschaft am k.k. polytechnischen Institute mit der freudigen Zuversicht, an dieser reich dotirten Anstalt alle Mittel zu erhalten, um seine Vorträge den jetzigen Anforderungen der Wissenschaft gemäß ausstatten und seine ganze Zeit wissenschaftlichen Forschungen widmen zu können. Eine Kanzel der Landwirthschaft kann gegenwärtig, wo die Chemie als die Basis der Landwirthschaft anerkannt ist, weder mit Ehren noch mit Nutzen bestehen, ohne:
    1. eine eigene Lokalität zur Aufstellung von Modellen, Sämereien, Wollmustern und dgl.
    2. ein kleines chemisches Laboratorium
    3. eine jährliche Dotation für beide.
    Der gehorsamst Gefertigte überreichte zu Anfang des Jahres 1851 ein unterthäniges Gesuch um gnädige Anweisung und Instandesetzung eines geeigneten Lokale [sic!] und Bewilligung einer jährlichen Dotation. Es erfolgte hierauf die gnädige Zuweisung von 600 fl CM zur Anschaffung von Modellen und die Aufforderung an die Institutsdirektion zur Ausmittlung eines geeigneten Lokale und Überreichung der Kostenüberschläge. Im September 1852 legte die Institutsdirektion die Pläne und Kostenüberschläge für die Herrichtung einer ganz geeigneten disponiblen Lokalität vor, ohne daß bis jetzt ein hoher Erlaß darüber erflossen wäre.
    Indem mir Eure Excellenz die neu geschaffene Kanzel anvertrauten, wollten mich Eure Excellenz nicht bloß zum Lehrer, sondern zum besorgten Verwalter und redlichen Vormunde derselben ernennen, ich sollte dem neuen Fache Zuhörer, den Zuhörern Liebe zum Fache, den Lehren der Wissenschaft Anwendung in der Praxis verschaffen. In diesem Sinne trat ich die Kanzel an mit dem redlichen Vorsatze, unter Aufbietung aller meiner Kräfte den schönen Zweck des hohen Gründers derselben zu verwirklichen.
    Erlauben mir daher Eure Excellenz, im Interesse meiner Kanzel nun auszusprechen, daß ich außerstande bin, meinen Pflichten als Lehrer der Landwirthschaft den jetzigen Anforderungen der Wissenschaft und meinem innersten Wunsche gemäß nachzukommen, solange mir die nöthigsten Lehrbehelfe mangeln, daß ich außerstande bin, für die Wissenschaft zu arbeiten, solange mir kein Laboratorium zu Gebote steht. Ich bin nun schon durch 3 Jahre darauf angewiesen, ein durchaus praktisches Fach vorzutragen, ohne durch den geringsten Versuch meinen Vortrag unterstützen und beleben zu können, und das an einer Anstalt, welche als die reichste dasteht in der großen Monarchie, deren Studirende verwöhnt sind durch den Anblick kostbarer Sammlungen.
    Die neu gegründete Kanzel sollte sich durch ihre praktische Haltung vor den älteren Lehrstühlen desselben Faches auszeichnen, was nur durch vieles Vorzeigen und häufige Versuche erreichbar – bis nun zu unmöglich war. Dem Vorwurfe bloßen Theoretisirens, der die älteren Kanzeln traf, kann ihre jugendliche Schwester nicht entgehen, das neue Lehrfach, welches von Jahr zu Jahr an Zuhörern gewann, muß in Verfall kommen, und der gehorsamst Gefertigte wird vergeblich in redlichem Streben seine Kräfte abgenützt haben, um von der Welt als unfähig bezeichnet zu werden, eine neue Kanzel in Aufnahme zu bringen.
    In dieser traurigen Aussicht, die meinen geistigen Muth ganz darnieder drückt, wende ich mich vertrauensvoll an Eurer Excellenz hohe Einsicht mit der unterthänigen Bitte, Eure Excellenz wollen der jungen Kanzel als deren Schöpfer auch eine Aussteuer geben, welche – würdig des Faches, würdig der Anstalt und würdig des Gründers der Kanzel – es möglich machen wird, daß ich als der erste Träger derselben mit freudiger Zuversicht die volle Verantwortlichkeit für das kräftige Aufblühen des Faches und die Heranbildung tüchtiger Landwirthe übernehmen kann.
    Zur Aussteuer der Kanzel gehört außer den oben angeführten Erfordernissen auch die Verwilligung eines Assistenten, wie das bei den andern ordentlichen Kanzeln am k.k. polytechnischen Institute der Fall ist. Da mein Fach früher am Institute nicht gelehrt wurde, so findet sich im Falle meiner Erkrankung am Institute niemand, der die Suppletur übernehmen könnte, und mein Kollegium ist dann verwaiset. Überdies wird es bei wachsender Zahl der Zuhörer gewiß schon im nächsten Schuljahre nothwendig sein, sie auf den Exkursionen zu theilen und die eine Hälfte durch den Assistenten führen zu lassen.
    Der gehorsamst Gefertigte ist seit 3 Jahren im chemischen Laboratorium des Professor Redtenbacher, der ihm mit der zuvorkommendsten Güte entgegen kam, mit Erdanalysen beschäftiget, wozu er aber alles Nöthige selbst anschaffen muß. Da ich ohne eigenes Vermögen von meinem Gehalte leben muß, so habe ich vor zwei Jahren um Ersatz dieser Kosten gebeten, da ich im Interesse der Wissenschaft arbeite und keinerlei Privatvortheil dabei habe. Ich erhielt darauf keinen Bescheid. Bis jetzt habe ich beiläufig 150 fl CM verausgabt, wovon ein großer Theil an Geräthen und Reagentien noch vorhanden ist. Ich bin außerstande, meine Arbeiten weiter fortzusetzen, und bitte daher Eure Excellenz um die gnädige Bewilligung, bis zur Einrichtung eines eigenen Laboratoriums die durch meine chemischen Arbeiten mir verursachten baaren Auslagen in Rechnung stellen zu dürfen.
    Genehmigen Eure Excellenz den Ausdruck des pflichtschuldigen Gehorsams und nie ersterbender Dankbarkeit

    Eurer Excellenz

    ergebenst gehorsamster
    Adalbert Fuchs
    Prof. d. Landwirthschaft am k.k. polytechnischen Institut

    Wien, am 8. April 1853