Personalfragen Römisches Recht

Von Prof. Strinzing [Stintzing] weiß hier Niemand Auskunft zu geben, ja sein Name ist sogar den hiesigen Professoren der Universität unbekannt. Indessen ging bereits ein Brief an eine zuverlässige Quelle in Mannheim und Heidelberg ab und im Augenblick, wo von daher Antwort eintrifft, soll Ihnen solche überreicht werden.
Herr Adolph Schmidt, Dr. der Rechte, Gerichts- und Hofrath und ordentlicher öffentlicher Professor des römischen Rechts an der hiesigen Universität, Protestant und eifriger Gegner der Kirche, bekannt als Verfolger ihrer Freunde, kann wohl nicht der nämliche seyn, welcher sich um die fragliche Stelle bewirbt: – der wahrscheinliche Bewerber ist ein anderer gleichen Namens, ein junger Mann von etwa 25 Jahren, Philolog, welcher bey dem hiesigen Lyceum angestellt und auch zu philosophischen Vorlesungen (ich weiß nicht, ob an der Universität oder am Lyceum) ermächtigt war. Die letzteren wurden ihm abgenommen, weil er – wie ich hörte – in seinen Excursionen im Gebiet der Religion, die Gottheit Christi (man sagte auf eine rohe Weise) in Abrede gezogen haben soll. Vor einiger Zeit wurde er an das Lyceum zu Heidelberg als Lehrer mit Staatsdienereigenschaft versetzt. Er ist der Bruder des Ihnen ohne Zweifel wohlbekannten Ministerialraths Schmidt, des Referenten in katholischen Kirchen- und Schulsachen; einer jener Katholiken, deren Wirksamkeit das Gegentheil ihres Glaubens zu bethätigen pflegt: Man nennt den letzteren als eine zur Gegenparthei der Kirche gehörige Hauptperson.
Was hier über beide Herren Schmidt gesagt ist, kommt aus dem Mund gelassener Männer weltlichen Standes, ich selbst kenne keinen von beiden und stehe mit keinem in irgend einer Berührung, sie sind mir völlig fremd.
Freiburg, 8. Aug. 1854

von Hrn. Geh.Rath. Fränzinger in Freiburg