Info

Dokument Ignaz Fränzinger an Leo Thun[?]1
Freiburg i. B., 8. August 1854
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D274
Regest

Der Württembergische Geheimrat Ignaz Fränzinger übermittelt einige Informationen zu Professoren aus Württemberg, die sich Leo Thun erbeten hatte. Über Roderich Stintzing kann Fränzinger nichts mitteilen, da dieser in Freiburg unbekannt ist. Der Geheimrat will daher weitere Erkundigungen in Heidelberg und Mannheim einholen. Sein Urteil über Prof. Adolph Schmidt ist hingegen schlecht. Dieser habe sich nämlich bei seiner Lehrtätigkeit am Lyzeum gehässig über die katholische Religion geäußert und die Gottheit Christi in Zweifel gezogen. Deshalb wurde ihm diese Stelle entzogen. Schmidts Bruder ist Ministerialrat und ebenfalls als Feind der Kirche anzusehen.

Beilagen, Anmerkungen

Auszug aus einem Brief. Möglicherweise war das Schreiben ein Teil eines Briefs von Johann Baptist Weiß an Leo Thun. Baden-Baden, 04. September 1854.

Schlagwörter
Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
License eXist-db

Transkription

    Von Prof. Strinzing [Stintzing] weiß hier Niemand Auskunft zu geben, ja sein Name ist sogar den hiesigen Professoren der Universität unbekannt. Indessen ging bereits ein Brief an eine zuverlässige Quelle in Mannheim und Heidelberg ab und im Augenblick, wo von daher Antwort eintrifft, soll Ihnen solche überreicht werden.
    Herr Adolph Schmidt, Dr. der Rechte, Gerichts- und Hofrath und ordentlicher öffentlicher Professor des römischen Rechts an der hiesigen Universität, Protestant und eifriger Gegner der Kirche, bekannt als Verfolger ihrer Freunde, kann wohl nicht der nämliche seyn, welcher sich um die fragliche Stelle bewirbt: – der wahrscheinliche Bewerber ist ein anderer gleichen Namens, ein junger Mann von etwa 25 Jahren, Philolog, welcher bey dem hiesigen Lyceum angestellt und auch zu philosophischen Vorlesungen (ich weiß nicht, ob an der Universität oder am Lyceum) ermächtigt war. Die letzteren wurden ihm abgenommen, weil er – wie ich hörte – in seinen Excursionen im Gebiet der Religion, die Gottheit Christi (man sagte auf eine rohe Weise) in Abrede gezogen haben soll. Vor einiger Zeit wurde er an das Lyceum zu Heidelberg als Lehrer mit Staatsdienereigenschaft versetzt. Er ist der Bruder des Ihnen ohne Zweifel wohlbekannten Ministerialraths Schmidt, des Referenten in katholischen Kirchen- und Schulsachen; einer jener Katholiken, deren Wirksamkeit das Gegentheil ihres Glaubens zu bethätigen pflegt: Man nennt den letzteren als eine zur Gegenparthei der Kirche gehörige Hauptperson.
    Was hier über beide Herren Schmidt gesagt ist, kommt aus dem Mund gelassener Männer weltlichen Standes, ich selbst kenne keinen von beiden und stehe mit keinem in irgend einer Berührung, sie sind mir völlig fremd.
    Freiburg, 8. Aug. 1854

    von Hrn. Geh.Rath. Fränzinger in Freiburg