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Dokument Heinrich Förster an Leo Thun
Breslau, 5. Juni 1860
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D588
Regest

Fürstbischof Heinrich Förster spricht seinen Dank dafür aus, dass Leo Thun ihm immer mit Wohlwollen bei seinen verschiedensten Anliegen begegnete, auch wenn die Vermittlungen hin und wieder zu Enttäuschungen führten, wie es im Fall eines nicht näher bezeichneten Rektors Schneider der Fall gewesen war. Der Fürstbischof äußert sich abschließend über die schwierige gegenwärtige politische Lage Österreichs und hofft, dass sich die Situation nach dem Krieg in Italien, bei dem das bisherige Recht zu Grabe getragen worden sei, wieder verbessern werde.

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Transkription

    Hochgebietender Herr Minister,
    Ho[ch]geborener Herr Graf.

    Der in dem sehr geehrten Schreiben Eurer Excellenz vom 1. dieses Monats ausgesprochene Wunsch der Gemahlin des portugiesischen Gesandten wird mir Veranlassung sein, mich über ein Vorhaben in Kenntnis zu setzen, das mir bisher unbekannt war, um für die Erfüllung dieses Wunsches um so thätiger zu sein, als dadurch einem längst gefühlten Bedürfnisse Abhilfe geschehen werde. Die mir gütigst zugesandten Papiere haben lediglich auf eine Begräbniskapelle Bezug, die in weiter Entfernung von Freiwaldau auf hohem Berge ein nicht eben glücklich gewähltes Monument für den verstorbenen Priesnitz aber zur Abhaltung des heiligen Meßopfers in keiner Weise geeignet ist. Am besten wäre es, wenn die Betreibung dieser Angelegenheit bis zu meiner Ankunft in Johannesberg ausgesetzt bleiben könnte. Da ich bei meiner fortdauernden Krankheit verurtheilt bin, das Laubad in Triest zu gebrauchen, so werde ich im Laufe künftiger Woche nach Wien kommen und dort einen Tag verweilen, lediglich, um dem Herrn Nuntius und Eurer Excellenz meine Aufwartung zu machen. Ich werde dann die Ehre haben, mich mündlich des Weiteren über diese Sache auszusprechen.
    Das amtliche Schreiben bezüglich des Rektors Schneider ist gar nicht gegen meine Wünsche. Es wäre meinerseits der größte Undank, wollte ich auch nur einen Augenblick verkennen, mit welcher gütigen Rücksicht und mit welch großem Wohlwollen Euer Excellenz meinen diesfältigen Anträgen stets entgegen gekommen sind. Leider ist Euer Excellenz und mein Vertrauen dabei oft getäuscht worden. Hochdieselben wissen aber aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, sich dergleichen Vermittelungen immer zu entziehen. Meine Empfehlung für den Schneider war übrigens eine sehr matte und karge. Was Euer Excellenz über die Verhältnisse im Großen und Ganzen sagen, theile ich vollkommen. Es hat wohl nie eine Zeit gegeben, wo man der Wahrheit und Gerechtigkeit so rückhaltslos ins Angesicht geschlagen als die unsere; wo mindestens von den Fürsten selber die Revolution in solcher Weise gefördert, und bald durch das, was sie thun, bald durch das, was sie nicht thun, die sichere Grundlage ihrer Threue so erschüttert und untergraben worden als jetzt. Alles alte Recht soll aufhören, nur eine einzige Macht hat dahin mannhaft sich erhoben und gekämpft. Zu Solferino hat man diesem Recht sein Grab gegraben und in Villafranka ihm den Leichenstein gesetzt. Ich fürchte, der Weg zurück in das gelobte Land der Ordnung und des Friedens wird durch das rothe Meer und durch lange Bußfahrt in der Wüste führen; ich hoffe aber auch, daß nach den schwersten und bittersten Erfahrungen es Östreich vor allem sein wird, das groß und kräftig sich erhebt. Gott geht wie mit den einzelnen Menschen so mit Völkern und Staaten seine eigenen Wege – per aspera ad astra. Geht ja dem leuchtenden Ostermorgen und seinem freudigen Halleluja auch die Trauer der Charwoche voran.
    Daß mein armes unbedeutendes Büchlein1 über meinen Vorgänger im schweren Amte sich auch den Beifall Hochdero verehrten Gemahlin errungen, hat mich innig gefreut. Ich bitte Ihrer Excellenz meine Verehrung zu bezeugen. Habent sua fata libelli – von diesem kleinen Schriftchen, das noch dazu im Drange der Umstände sehr flüchtig gefertigt werden mußte, habe ich mir die Gunst nicht versprechen können, mit der es aufgenommen worden ist, und die ich zumeist wohl dem behandelten Gegenstande zu danken habe.
    Indem ich Gott bitte, daß Er Hochdieselben in seinem heiligen Schutze erhalte und bewahre, ist es der Ausdruck der treuesten und herzlichsten Verehrung, mit welcher ich verharre

    Euer Excellenz

    ergebenster Diener
    Heinrich

    Breslau, den 5. Juni 1860