Clemens Faller an Leo Thun
Feldkirch, 31. Januar 1859
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Ordensgymnasien Gesellschaft Jesu

Euer Excellenz!

Mit Freude habe ich den mir zugesandten Brief schleunigst an Pater Joseph Deharbe gelangen lassen. Pater Deharbe wird nicht säumen auf das Schreiben nach Verlangen Euer Excellenz zu antworten. Sein gegenwärtiger Aufenthalt ist Köln, Breitestraße Nr. 161.
Euer Excellenz bitte ich bei dieser Gelegenheit mir erlauben zu wollen, ein Wort betreffend den Bau des Gymnasium in Feldkirch hinzufügen zu dürfen. Da die Anzahl unserer Schüler jetzt schon so hoch gestiegen ist, daß wir gezwungen sind, nebst einer Vorbereitungsclasse vier Gymnasialclassen im Pensionatgebäude zu halten, so kommen wir der Räumlichkeiten wegen, welche für das Pensionat allein schon nicht zu groß sind, immer mehr in Verlegenheit. Die Unbequemlichkeiten, welche schon an und für sich aus der Trennung und Vertheilung der Classen in zwei Gebäude für uns erwachsen; die Schwierigkeiten, welche sich für die Aufrechthaltung der üblichen Disziplin darbieten; die Unmöglichkeit, die beabsichtigte Anzahl von Zöglingen in das Pensionat aufzunehmen und ähnliche hieraus nothwendig sich ergebende Mißstände, welche dem Zwecke unserer Anstalt jetzt schon hinderlich entgegen stehen und von Jahr zu Jahr sich mehren würden, haben mich bewogen Euer Excellenz mit dem unterthänigsten Gesuche anzugehen, uns zu einer allerhöchsten Entschließung für den baldigen Angriff des bewilligten Neubaues behülflich sein zu wollen. Die gnädige Huld, durch welche Euer Excellenz uns längst zur größten Dankbarkeit verpflichtet haben, hat mich zur Stellung dieser Bitte ermuthigt.
Mit unterthänigster Hochachtung

Euer Excellenz

ergebenster Diener
Clemens Faller

Feldkirch, 31. Januar 1859