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Dokument Josefine Dóczy an Kaiserin Elisabeth
Wien, 19. Juli 1854
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D320
Regest

Josefine Dóczy bittet Kaiserin Elisabeth um eine gnädige Unterstützung. Die Bittstellerin hat ihren Vater verloren, welcher Oberst in der kaiserlichen Armee war und an den Folgen einer Kriegsverletzung starb. Die Familie besaß zum Überleben seither nur ein geringes Erbe, das nun aufgebraucht ist. Nun möchte Dóczy heiraten. Sie kann aber die Mittel für ihre Mitgift nicht aufbringen. Sie bittet daher die Kaiserin um eine Unterstützung. Sie versichert ewige Dankbarkeit und gelobt, dass ihre ganze Familie für das Kaiserpaar beten werde.

Beilagen, Anmerkungen

Das Schreiben befindet sich im Nachlass gemeinsam mit zehn weiteren Majestätsgesuchen unter der Signatur A3 XXI D320.

Schlagwörter
Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
License eXist-db

Transkription

    Euer Majestät!

    Die edle Herzensgüte und Milde, die aus Euer Majestät holden jugendlichen Anlitz strahlet, ermuthiget mich, meine allerunterthänigste Bitte Euer Majestät, in tiefster Erfurcht, doch mit vollsten Vertrauen zu Füßen zu legen und um Gewährung kniefälligst zu flehen.
    Mein Vater war k.k. Oberst, diente dem allerhöchsten Staate treu und eifrigst durch 49 Jahre, er starb im Jahre 1837 an den Folgen der einst von dem Feinde erhaltenen Blessuren; ließ meine Mutter mit 4 unversorgten Kindern zurück, nur mit einem ganz geringen Vermögen, womit wir jedoch bei unserer Sparsamkeit, Fleiß und Genügsamkeit anständig leben konnten – doch zahllose Unglücksfälle, Krankheiten und grobe Schicksalsschläge folgten so häufig aufeinander, daß wir mit nach und nach alles, was wir besaßen, zusetzen mußten. Vorzüglich drückte uns hart das namenlose Unglück, daß meine älteste Schwester, die, mit ihrem ausgezeichneten Talente in Sprachen durch Unterricht ertheilen, die kränkliche schwache Mutter zu unterstützen vermochte, seit 15 Jahren wahnsinnig ist – wir oft kaum die Kosten zu ihrer Erhaltung zu erschwingen im Stande sind. Nach so vielen Kummer und Sorgenvoll durchlebten Jahren zeugte sich endlich ein Lichtpunkt auf unseren düsteren Lebensbahn[sic!], indem ein rechtlicher braver Mann, der mich von ganzer Seele liebt und dessen Liebe ich mit aller Innigkeit des Herzens erwiedere, um meine Hand anhielt; er ist k.k. wirklicher Hauptmann. Mühsam konnten wir die erforderliche Caution zusammenbringen und so gelang es uns, mit Gottes allmächtiger Hülfe und der Gnade unseres heißgeliebten Monarchen unsere Heirathsbewilligung zu erlangen; allein unsere ganze Habe bestehet aus dieser Caution und ich bin außer Stande, das Nöthigste zu meiner Ausstattung anzuschaffen. Bei meiner Häuslichkeit und geringen Ansprüchen werde ich mit dem Einkommen, was wir haben, stets gut und ordentlich auslangen und ich bin es überzeugt, daß ich die Existenz meines Mannes verbessern und erleichtern werde; wenn ich nur die ersten nöthigen Bedürfnisse herbeizuschaffen im Stande gesetzt bin; daher flehe ich zu Euer Majestät um eine allergnädigste Unterstützung zur Gründung eines künftigen häuslichen Glückes!
    Gott der Allmächtige wird Euer Majestät für diese mildthätige, edle, großmüthige Handlung, Glück, Segen und Heil reichlich spenden. Berücksichtigen Euer Majestät allergnädigst noch, daß meiner geliebten 70jährigen Mutter durch diese milde Gabe eine große Sorge vom Herzen genommen, wofür mit Dankgebethen ihre zitternden Hände sich erhebend des Himmels Bahn auf Euer Majestät und unseres hochverehrten Kaisers Haupt erflehen werden.
    Mit treuer Zuversicht lege ich mein Glück in Euer Majestät segensreiche Hände und harre vertrauensvoll einer Allergnädigsten Willfahrung meiner allerunterthänigsten Bitte entgegen.

    Euer Majestät

    allerunthänigst dankbare
    Josefine von Dóczy
    k.k. Oberstens Waise

    Wien, den 19. Juli 1854
    Neustadt Landstraße Rennweg Nr. 636