Schulbücher Gymnasien Nationalitätenfrage

Hochgeborner Herr Graf!
Hochgebietender Herr Staatsminister!

Durch die k.k. Statthalterei ist mir am gestrigen Tage die Weisung zugekommen, in Bezug auf die vorzunehmenden Correcturen in dem 1. Theile des Gymnasiallesebuchs.1Mit großem Befremden sehe ich neben den drei mir bereits bekannt gewordenen Stellen noch eine vierte angemerkt, wo blos die Ausdrücke Šváb, švábský abzuändern seien. Ich muß es Euer Excellenz offen gestehen, daß ich mich vergebens nach einem stichhaltigen Grunde zu dieser Änderung umsehe, auch nicht einsehe, welches Bedenken gegen den Gebrauch des Namens in der Reiseskizze erhoben werden könnte. An ein Schimpfwort ist doch auch nicht im Entferntesten zu denken, weil dann der Name überhaupt und allgemein dafür gelten müßte, was doch nicht der Fall ist. Daß die ersten deutschen Ansiedler nach Gallizien [Galizien] aus Schwaben kamen, ist ja historisch, weshalb sie sowohl Pohlen [sic!] als Russen kaum anders als mit ihrem eigenen Namen bezeichnen konnten und es noch heutiges Tags thun. Zudem ist der Aufsatz von dem ehrenhaften Holowacky geschrieben, im Časopis Museum2 1842 pag. 43 unter Šafařiks Redaction erschienen – Männer, denen doch nicht zuzumuthen ist, daß sie an läppisch verunglimpfenden Ausdrücken Gefallen fänden. Es scheint als habe, wer immer Euer Excellenz darüber referirte, das Wort übertrieben ängstlich aufgefaßt, und ich würde gegen das hohe Ministerium selbst verstoßen, wenn ich nicht darauf aufmerksam machen sollte, das Umdrucken müsse sich eher schädlich als nützlich erweisen. Mehr als die halbe Auflage des ersten Theils befindet sich bereits in den Händen des Publikums, und die Aufmerksamkeit ward ohnehin mehr als nöthig rege, als die Sistirung des Verkaufs anbefohlen wurde. Die Tagespresse, die bereits ihre hämischen Bemerkungen daran knüpfte, würde nach angestellter Vergleichung der Exemplare noch mehr Veranlassung dazu finden. Sollte dennoch eine mögliche Zweideutigkeit in dem Namen Šváb liegen, was ich jedoch hier nicht zugestehen kann, so wäre meiner Ansicht nach besser, bei der zweiten Auflage, die ohnedies nicht lange wird auf sich warten lassen, den ganzen Artikel stillschweigend wegzulassen.
Genehmigen Euer Excellenz den Ausdruck meiner tiefsten Ehrfurcht entgegenzunehmen, mit der ich verharre

Euer Excellenz

gehorsamster
F. L. Čelakovský

Prag, 11. Oktober 1850