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Dokument Karoline Langenau an Caroline Thun
o. O., o. D. [Februar 1853]
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D190
Regest

Karoline Langenau, Schwester des Diplomaten Ferdinand Langenau, übersendet Caroline Thun ein Schreiben von Karl Ahn aus Mainz mit der Bitte, dieses an ihren Mann Leo Thun weiterzuleiten. Ahn ist ein Protegé ihres Schwagers Karl Mertens. Dieser bürgt sowohl für Ahns wissenschaftliche Fähigkeiten als auch für dessen Charakterfestigkeit.
Im beigelegten Schreiben bittet Karl Ahn Leo Thun um eine Stelle als Gymnasiallehrer oder Bibliothekar in Österreich. Das Schreiben beinhaltet auch den Lebenslauf von Ahn. Ahn hat Theologie und klassische Philologie und Altertumskunde studiert und die Lehramtsprüfung für das Gymnasium bereits absolviert. Derzeit ist er Erzieher bei der Familie von Karl Mertens in Mainz.

Beilagen, Anmerkungen

Beilage: Schreiben von Karl Ahn. Mainz, 11. Februar 1853.

Schlagwörter
Transkription und Kodierung Dieses Dokument wurde von Christof Aichner und Tanja Kraler transkribiert und nach XML/TEI kodiert.
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Transkription

    Mit tausend Dank, liebe Gräfin, übersende ich hier das Buch und meine Schuld. Ich hätte es selbst gebracht, wollte Sie aber in den ersten Tagen des Hierseins Ihrer Frau Schwester1 nicht überfallen, und hatte so heftige Schmerzen, daß ich recht herunten war. Zugleich habe ich mir überlegt, daß es wohl besser, wenn ich, ehe ich Ihren Herrn Gemahl aufsuche, ihm beiliegendes Schreiben des Protigés meines Schwagers übergebe, damit er sieht, was er zu leisten fähig, und ob es wohl möglich ihn mit der Zeit in österreichische Dienste zu bringen, was sein sehnlichster Wunsch.2 Für seine guten Gesinnungen und Moralität bürgt mein Schwager, der sehr mit ihm und seinen Leistungen zufrieden. Vielleicht wäre es nicht so schwer, da es nicht gerade für den Augenblick, indem es sehr zu wünschen, daß er die Zeit, daß Mertens noch in Mainz bleibt – bis November 1854 – wenn[?] nicht unvorhergesehene Fälle eintreten, bei den Knaben bleiben könnte. Ich bitte sehr des zerknitterten Zustandes des Schreibens wegen um Verzeihung, dies ist meine Schuld. Ich komme dann selbst nachfragen, was wohl zu hoffen, und ob es Graf Thun möglich für den guten Herrn Ahn etwas zu thun. Auf baldiges Wiedersehen.

    Ihre Caroline

    Den versprochenen Abend an meinem einsamen Theetisch mit Zoe[?] schenke ich Ihnen aber nicht.

    Curriculum vitae des Dr. philos. Karl Ahn aus Seligenstadt im Großherzogthum Hessen

    Derselbe ist Sohn des zu Seligenstadt verstorbenen Oberzolleinnehmers Friedrich Ahn und dessen gleichfalls verstorbenen Ehefrau Elisabetha, geb. Kaiser, alt 26 Jahre und katholischer Confession. Im Herbste 1845 absolvirte er, nachdem er während 5 Jahren die 6 Gymnasialklassen durchgemacht hatte, das Großherzogliche hessische Gymnasium zu Mainz mit dem Maturitätszeugnisse Nr. II. („sehr gut“), studirte hierauf während 3 Jahren an der Landesuniversität zu Giessen katholische Theologie und wurde im Herbste 1848 nach abgelegter Fakultätsprüfung, worin er sich das Prädikat „gut bis sehr gut“ erwarb, in das bischöfliche Priesterseminarium zu Mainz aufgenommen. Hier empfing er die minores und sollte im folgenden Jahre 1849, nachdem er sich durch Prüfungen über die praktische Seelsorge und durch Predigten als gereift erwiesen, die Priesterweihe nebst den beiden höheren andern empfangen, als er freiwillig und mit anerkennenden Zeugnissen seiner Fähigkeit und guten Aufführung das Seminarium verließ, weil er die Pflichten des Priesterstandes nicht übernehmen zu können glaubte. Von nun an ergab er sich auf der Universität Gießen dem Studium der klassischen Alterthumskunde, wurde ordentliches Mitglied des philologischen Seminariums für Forschungen auf dem Gebiete der Alterthumskunde, worin er sich von der Großherzoglichen hessischen Regierung die 3. Goldene Medaille erwarb, und legte nach zweijährigem Studium im Herbste 1851 vor der Großherzoglichen hessischen Prüfungskommission das Examen für das Amt der Gymnasiallehrer ab, nämlich in der griechischen und römischen Alterthumskunde, Erklärung der klassischen Schriften, alten und neueren Philosophie, Sanskrite Sprache, Mathematik, Geographie und Geschichte, wobey er die philosophische Doktorwürde erlangte. Infolgedessen wurde er von [der] Großherzoglichen hessischen Regierung unter die Candidaten des Gymnasiallehreramts aufgenommen und zum Accesse an das Gymnasium zu Mainz angewiesen. Zum Schlusse möchte er noch bemerken, daß er außer den vorgeschriebenen Collegien noch solche über englische Sprache und Litteratur hörte. Dermalen hat er die Ehre mit der Erziehung des Sohnes Seiner Excellenz Freiherrn von Mertens, k.k. österreichischer Feldmarschalllieutenants und Vicegouverneur von Mainz betraut zu seyn.
    Unterzeichneter Candidat des Gymnasiallehramts und Doctor philos. wünscht in den k.k. österreichischen Staaten einen seinen Kenntnissen und Fähigkeiten entsprechende Verwendung zu finden, entweder als Gymnasiallehrer in einer Universitätsstadt oder auch als Assistent oder Bibliothekar an einer Bibliothek in einer solchen Stadt in der Absicht, um sich später für einen akademischen Lehrstuhl der Alterthumskunde habilitiren zu können.
    Zu solchem Behufe erlaubt er sich nachfolgend seine gemachten Studien in einem Curriculum vitae kurz zu erörtern mit dem Beyfügen, daß er sich zu einer etwaigen Verwendung an einer Bibliothek durch eine zweyjährige Bedienstung an der Universitätsbibliothek zu Gießen als Sekretär die zureichende Qualification erworben zu haben glaubt.

    C. Ahn Dr. philos.

    Mainz, am 11. Febr. 1853