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Dokument Hermann Bonitz an Leo Thun
Wien, 27. Februar 1858
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D448
Regest

Der Philologe Hermann Bonitz übersendet dem Minister die Gymnasialstatistik für das Jahr 1857. Er bittet, die Verzögerung zu entschuldigen. Bonitz weist auch auf einige Änderungen im Aufbau der Statistik sowie auf einige interessante Punkte hin. Besonders betont er die Statistik über die Berufswahl der Absolventen und hierbei die Zahl derjenigen Schüler, die ein theologisches Studium antreten. Dies sei nämlich hinsichtlich der bevorstehenden Diskussionen um die Reform des Gymnasiallehrplanes und in Bezug auf die von der Kirche angestrebten Modifikationen besonders interessant. Er versichert Thun, dass er die Forderungen der Kirche in seine Überlegungen zur Überarbeitung des Gymnasiallehrplanes einbeziehen wird.

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Transkription

    Euere Excellenz!

    Später als sonst gewöhnlich bin ich im Stande, Euerer Excellenz die Gymnasialstatistik über das verflossene Schuljahr ehrerbietigst zu unterbreiten1; Notizen, wie jene, welche sich S. 2. Anmerkung a oder S. X der Vorrede in den „Nachträgen“ finden, werden die mir höchst unangenehme Verspätung des Erscheinens hinlänglich erklären.
    In der Vorrede, welche von den allgemeinen Ergebnissen der aufgesammelten Zahlen Rechenschaft zu geben und dieselben zu verwerthen sucht, habe ich mich diesmal auf sehr wenige Puncte beschränkt, um Raum zu erhalten für die Relation, welche Ministerialsecretär Dr. Ficker der Gymnasialzeitschrift antrug. Unter den in der Vorrede enthaltenen Bemerkungen erlaube ich mir zu bezeichnen, – mit dem Wunsche, daß Euere Excellenz dieselben Dero hohen Kenntisnahme würdigen möchten: S. III. Spalte 2 über das Verhältnis der selbständigen und der unselbständigen Unterrealschulen; S. IV. 3.c. die Ergebnisse der Classification in den Realschulen (wobei Vergleichung der im vorigen Jahre bei dem gleichen Anlasse gemachten Bemerkungen zu wünschen ist), S. IV. 6. über das günstige Ergebnis der Maturitätsprüfung; S. V. 7. die Zahlenverhältnisse in Betreff der Wahl des Berufs. Bei diesem letzten Puncte habe ich mich, da derselbe vorzugsweise das theologische Studium betrifft, des Aussprechens irgend einer Reflexion absichtlich enthalten, obwohl der in den Zahlen hervortretende Contrast darauf fast hindrängt, und eine Erörterung besonders in einer Zeit nahe gelegt ist, wo der Gedanke an mögliche Modificationen des Gymnasialplanes den Ansprüchen, welche die Organe der Kirche an die Gymnasien für die Vorbereitung zum theologischen Studium stellen, größere Lebhaftigkeit gibt – Ansprüche, von denen Euere Excellenz überzeugt sein dürfen, daß ich ihre Wichtigkeit im höchsten Grade würdige und ihrer vollständigen Erfüllung, ohne Beeinträchtigung des für die allgemeine Gymnasialbildung als zweckmäßig erkannten, in meinen ernstlichen Überlegungen des Gegenstandes Rechnung getragen habe.
    Genehmigen Euere Excellenz den Ausdruck meiner tiefsten Ehrerbietung.

    Euerer Excellenz
    unterthänigster
    H. Bonitz

    Wien, 27. Februar 1858