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Dokument Hermann Bonitz an Leo Thun
Wien, 07. Mai 1855
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D342
Regest

Hermann Bonitz übermittelt Minister Thun den Abdruck eines Aufsatzes aus der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien. In dem Aufsatz hat Bonitz, wie von Thun einmal mündlich angeregt, die Frage behandelt, wie sinnvoll eine neuerliche Modifikation des Gymnasiallehrplanes wäre. Der Aufsatz war schon abgeschlossen, als ihm Ministerialrat Kleemann vertrauensvoll den Auftrag erteilt hatte, eben diese Frage in einem Gutachten zu behandeln. Der besagte Aufsatz kann nun aber als ein solches Gutachten angesehen werden, allerdings konnte er die von Kleemann mitgelieferten Stellungnahmen der Schulräte nicht mehr in den Aufsatz einbauen. Diese hätten jedoch nichts Wesentliches an seinem Urteil geändert.

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Transkription

    Euere Excellenz!

    In einer Unterredung, deren Euere Excellenz mich huldreichst würdigten, fanden Euere Excellenz es angemessen, daß die Frage über die Modification des Gymnasiallehrplans für die philosophische Propädeutik und das Lateinische in der Gymnasialzeitschrift discutirt werde. In diesem Aufsatze des so eben erschienenen Doppelheftes (IV und V. Heft) 1 habe ich versucht meine aus wiederholter Überlegung hervorgegangene Überzeugung darzulegen, und wage es Euerer Excellenz beiliegend einen Abdruck davon zu hochgeneigter Kenntnisnahme ehrerbietigst zu unterbreiten. Als der beiliegende Aufsatz bereits zum Drucke fertig war, erhielt ich von Herrn Ministerialrath Kleemann den vertrauensvollen Auftrag, mich über diesen Gegenstand gutachtlich zu äußern; durch den beiliegenden Aufsatz, obwohl er ohne den Gedanken an einen solchen Auftrag abgefaßt ist, hoffe ich demselben entsprochen zu haben. Die mir gleichzeitig mitgetheilten Gutachten der Herren Schulräthe habe ich erst nach Beendigung des Druckes meines Aufsatzes lesen können, jedoch keinen Anlass gefunden, daß ich irgend etwas in den von mir dargelegten Ansichten geändert wünschte. Einige anderweite Bemerkungen, zu denen die mitgetheilten Gutachten führen, habe ich schriftlich an Herrn Ministerialrath Kleemann eingereicht. Gestatten Euere Excellenz den Ausdruck der tiefsten Ehrerbietung von

    Euerer Excellenz unterthänigstem Diener
    H. Bonitz

    Wien, 7. Mai 1855