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Dokument Übersicht über Maßnahmen zur Förderung der unierten Kirche
Wien, 16. Juni 1858
Signatur Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach
Familienarchiv Thun-Hohenstein, Linie Tetschen, Nachlass Leo Thun
A3 XXI D454
Regest

In der Liste sind einige Maßnahmen angeführt, wie die unierten Kirchen gefördert werden könnten.

Schlagwörter
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Transkription

    Punkte der Besprechung in Bezug auf die Hebung der unirten Kirche in der östreichischen Monarchie

    1. Dafür zu sorgen daß die unirten Bischöfe alle 3–4 Jahre nach Rom reisen, um mehr katholische Doktrin zu erhalten und in engere Verbindung mit dem heiligen Stuhle und den lateinischen klösterlichen Instituten zu treten. Beim Mangel an Reisegeld ihnen 1.500–2.000 fl. dazu auszusetzen.

    2. Die unirten ruthenischen, rumänischen und slawischen Bischöfe anzuregen, die lateinischen katholischen thätigen Orden, die Jesuiten, die Redemptoristen, Franziskaner aufzufordern, ruthenische Zungen ihrer respektiven Orden zu bilden, die aber durchaus dem orientalischen Ritus beibehalten müssen.
    Auch barmherzige Schwestern – Schulbrüder und Schulschwestern müssen sie haben, die aber stets dem orientalischen Ritus sich unterwürfen.

    3. Stiftung einer vollständigen Universität des unirt-orientalischen Ritus; Bildung insbesondere eines Lehrstuhls für das orientalische Kirchenrecht, vorzüglich um dasselbe auf wissenschaftlichem Wege von den Schlacken byzantinischen-weltlichen Rechts zu reinigen.

    4. Es wäre zu erwägen, in wie fern man die schismatischen Orientalen bei der Bildung einer solchen Universität hinzuzöge. Giebt es doch deutsche Universitäten genug, die 2 theologische Fakultäten nebeneinander haben, eine katholische und eine protestantische.

    5. Die jetzt so häufig übertretenden protestantischen Prädikanten wären aufzufordern, statt zum lateinischen vielmehr zum unirt-orientalischen Ritus überzutreten. Die Bedingung wäre natürlich, daß sie sich die ruthenische oder rumänische Sprache aneigneten und etwa ein Jahr in ein ruthenisches Seminar einträten. Diese Männer möchten dann vortrefflich bei den orientalischen Bildungsanstalten, so als Pfarrer in der Seelsorge zu verwenden sein. Ihre Verheirathung wäre in diesem Falle kein Hindernis.

    6. Es wäre möglichst bald dafür zu sorgen, daß wieder ein Cardinal des orientalischen Ritus ernannt wird.

    7. Es möchte passend sein, daß in der Hofburg eine Kapelle für den orientalischen Ritus eingerichtet würde und der Kaiser einen Aumonier dieses Ritus hätte.

    Die Worte des Pabst Urban VIII. in einer Allokution sind überall ins Auge zu fassen:
    O mei Rutheni! Per vos ego Orientem spero convertendum!