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Halder Konrad

Absender Empfänger Ausstellungsort Datum Treffer KWIC / Dokument-ID
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Bonitz, Hermann Thun, Leo no place 1859-10-20 1

... Ich unterlasse es nun zunächst, auf das Object der Bitte einzugehen und vergleiche die Unterschriften, die allerdings die große Majorität der akademischen Jugend in sich schließen. Da befinden sich 100 unzweifelhafte deutsche Namen; rechnet man davon auch einige ab, da man mitunter Kernmagyaren hinter denselben findet, so kommt dafür auch der umgekehrte Fall vor, außerdem fehlt es nicht an Slaven. Alle diese aber fingiren wenig oder kein Deutsch zu verstehen. In der Liste figurirt ferner die Mehrzahl unserer ehemaligen Schüler, die das Gymnasium durch eine Reihe von Jahren, manche seit der ersten Classe, besucht haben. So auch die letzten Abiturienten, die ich genau kenne. Unter diesen ist mehr als einer, dem erwiesener Maßen ein durchaus ungarischer akademischer Vortrag große Schwierigkeiten machen würde, die meisten sprechen und verstehn das Deutsche mindestens ebenso gut als die Sprache, die jetzt auf einmal die alleinseligmachende geworden ist. Ein Ungar erhielt nach Verdienst ein glänzendes Maturitätszeugnis, darunter auch eine sehr günstige Bezeichnung aus dem Lehrfach der deutschen Sprache; auch dieser scheint sie in den Ferien so gänzlich vergessen zu haben, als wenn er aus der Lethe getrunken hätte. Als ich diese und ähnliche Namenszüge sah, schnitt es mir durch das Herz; solche Charakterlosigkeit hätte ich von Jünglingen nicht erwartet; es gehört doch eine starke Dosis Leichtsinn dazu, Unwahrheiten wie diese mit seinem Namen in die Öffentlichkeit hinauszuschleudern. Von der Impietät gegen die Schule, der sie kaum entwachsen, will ich gar nicht reden. Und das waren nur Beispiele aus meinem Erfahrungskreise, zu denen Schulrath Halder und andere Männer weitere Beiträge liefern können. Ob die Forderung der Übrigen (das Zahlenverhältnis kann ich nicht angeben), die wirklich mit Sprachschwierigkeiten ringen, berechtigt sei oder nicht, darauf will ich mich nicht einlassen. Der Wissensdurst, womit die ungarische Jugend nach den Worten der Adresse erfüllt sein soll, wird vermuthlich erst nach Entfesselung der Sprache zum Vorschein kommen. Eine schmachvolle Heuchelei ist die Ergebenheit gegen „Fürst und Vaterland“ – nicht bloß das letztere, das der Ungar immer im Mund führt –, welche die Adresse affectirt; man weiß und es ist dies leider keine Gespensterseherei, daß dieselben Leute im Sommer jede Niederlage der Oesterreicher mit Jubel begrüßten und mit Sehnsucht die Befreier Franzosen und Russen erwarteten. Die mitgetheilten Nachrichten mögen zwar durch die Wärme des Ausdrucks die sittliche Entrüstung des ersten Eindrucks bekunden, doch schreiben sie nirgends über die Grenze der Wahrheit hinaus....

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